Während die EU-Finanzminister jetzt in die Montags-Sitzung gehen, mehren sich Anzeichen, dass die Entscheidung über Griechenlands Geldbedarf möglicherweise bereits gefallen ist. Die von Athen vorgelegte Liste von Reformvorschlägen ist -- wie alle sagen, die sie gesehen haben -- total unbefriedigend. Syriza scheint entschlossen, eher den Untergang zu riskieren, als nachzugeben.

   Die Euro-Gruppe hingegen ist in "Basta"-Stimmung. Griechenland hat seine Hand überreizt; die kleineren Staaten scharen sich hinter Merkels und Schäubles breiten Rücken. Merkel und Juncker haben die Öffentlichkeit demonstrativ wissen lassen, dass ein Grexit für sie nicht infrage komme. Diese philhellenischen Gelübde wecken den Verdacht, dass beide mit dem schnellen Kollaps der griechischen Regierung rechnen und sich durch ihren Treueschwur für den Sturm wappnen, der hinterher in der Öffentlichkeit losbricht.  

   Syriza, dem masochistischen παράδειγμα der griechischen Linken getreu, will die Reinheit des theoretischen Modells nicht der Brutalität des Kapitals unterwerfen und wird eher das Wohlergehen der Hellenen opfern, als nachzugeben. Man sollte die Befriedigung nicht unterschätzen, die es einem linken Revolutionär bereiten würde, Kredite der Kapitalisten in Höhe von 230 Milliarden Euro mit einem Federstrich zu vernichten.

Ihsan al-Tawil