Während Deutschland von Masseneinwanderung überrollt wird und die Meinungen, was denn von dieser Völkerwanderung zu halten sei, aufeinanderprallen, zeichnet in Italien die Statistik ein freundliches, eher gemütliches Bild der Folgen der Einwanderung für Gesellschaft und Wirtschaft.

   Das offizielle "Dossier Einwanderung 2015" bezieht sich auf das Jahr 2014  und zeigt, dass die Kriminalität der Ausländer sinkt, während die der lokalen Bevölkerung steigt, dass die Fremden weniger Kinder haben als im Vorjahr, und dass sie dem Fiskus mehr Einnahmen bringen als der Staat für Neuankömmlinge ausgibt.

   Die Zahl der in Italien wohnhaften Ausländer, nämlich rund fünf Millionen, entspricht ziemlich genau der Zahl der ausgewanderten Italiener, die in letzter Zeit wegen der Krise stark gestiegen ist. Im Jahr 2014 haben 155.000 Italiener das belpaese verlassen und eine andere Staatsangehörigkeit angenommen, während nur 92.000 Ausländer eingebürgert wurden. Mehr als 30.000 illegale Einwanderer wurden 2014 aufgegriffen und über die Hälfte von ihnen "repatriiert".

   Während zwischen 2004 und 2013 die Delikte der Ausländer um 6 Prozent zurückgingen, stiegen die der lokalen Bevölkerung um 28 Prozent.  Nach wie vor ist der Anteil der Ausländer an den Gefängnisinsassen mit 33 Prozent zwar hoch, doch er ging seit 2010 um 4 Prozent zurück.

   Im Jahr 2013 leisteten die Einwanderer ein Beitrag von 123 Milliarden Euro oder 9 Prozent zum Brutto-Inlandsprodukt. Das bedeutet pro Kopf, dass die Wertschöpfung der Fremden fast dem Durchschnitt der Italiener entspricht. Überdies zahlen die Einwanderer jährlich 7-8 Milliarden Euro in die Sozialkassen ein, sind jedoch oft nicht in der Lage, ihre Rente zu beanspruchen und schenkten dadurch der Rentenkasse geschätzte 3 Milliarden.

   Obwohl die Ausländer in der Ortswahl flexibler sind als die Italiener und weniger angenehme Arbeit akzeptieren, werden sie eher entlassen und sind häufiger arbeitslos als die Einheimischen, was sich erneut in der Krise zeigte. Der Verlust der Arbeit zieht oft den Verlust der Aufenthaltserlaubnis nach sich, so dass in den letzten Jahren über 150.000 Arbeitslose Italien verlassen mussten.

   Rund 53 Prozent der Einwanderer erklären sich als Christen, 32 Prozent als Moslems. Mehr als die Hälfte der Einwanderer sind Europäer, davon über eine Million Rumänen und eine halbe Million Albanier. Danach folgen Marokkaner, Chinesen und Ukrainer. Mit 15 Prozent aller Geburten sind die überwiegend jungen Einwanderer fruchtbarer als die Italiener, aber ihre Geburtenzahl ging seit 2013 um 3,4 Prozent zurück.

   Die italienischen Daten, so interessant sie sind, können nur bedingt zur Interpretation der jetzigen Lage in Deutschland dienen. Auch muss man bedenken, dass viele tausende Illegaler in Italien leben, ohne der meist faulen Polizei aufzufallen. Allein in Rom leben tausende Bangladeshi, die jeden fliegenden Verkaufsstand, jeden Flohmarkt, jede Tankstelle und ungezählte Restaurantküchen und selbst Chinaläden bevölkern. Tausende Marokkaner verhökern saisonal ihre Waren an den Badestränden, ohne offizielles Dokument. Die Senegalesen-Mafia, die gefälschte Markenware an Touristen verkauft, die Chinesen in Prato, die undokumentiert in den sweatshops arbeiten...eine wirklich glaubhafte Ausländerstatistik existiert in Italien nicht.

   Für Deutschland bietet Italien dennoch interessante Vergleiche. Wer es dort schafft, eingebürgert zu werden, muss entweder hartnäckig oder wohlhabend sein. Italienische Lebensart erleichtert die Integration, ethnische Ghettos finden sich nur in den grössten Städten und sind auch bei Italienern beliebt wegen der guten Restaurants und der billigen Läden. Der hohe Anteil der Europäer und Christen lässt bei ihnen den Drang zur Ghetto-Bildung garnicht aufkommen. Eritreer, Somalis und Libyer bringen aus der Kolonialzeit einige italienische Kultur mit. Dass dennoch so viele der jetzigen Migranten Italien nur als Durchgangsland ansehen, hängt mit den spärlichen staatlichen Leistungen, der maladen Wirtschaft und der hohen Arbeitslosigkeit vor allem der Jugend zu tun.

Benedikt Brenner