Das Mahnmal von Douaumont ist das Gebeinhaus von 130.000 nicht idenfizierten französischen und deutschen Gefallenen des Kampfes um Verdun, einer der grössten Schlachten des I. Weltkriegs.

   Hier irgendwo auf dieser von Granaten zerflügten, nun überwachsenen Erde ist er gefallen, mein Onkel Walther, den ich nur von einem bräunlichen Foto kenne: jung, schlank, ernsthaft blickend.

   Der Liebling seiner fünf Schwestern, der Namensträger der Familie – einer von über 350.000 Toten von Verdun: nicht identifiziert, vor hundert Jahren zum Opfer der gnadenlosen Zerfleischung zweier zu stolzer Nationen geworden, hier am Ufer der Maas.

   Man schätzt es in Verdun, wenn die Deutschen kommen um nach ihren Vorfahren und Angehörigen zu forschen. Man hilft ihnen gerne. Ihr Gedenken bestätigt das Recht Frankreichs, sich stets an den Grossen Krieg zu erinnern.

   Ganz Verdun ist ein Denkmal. Nahezu die gesamte Innenstadt musste nach dem Weltkrieg neu erbaut werden, in einem bescheidenen, eher ärmlichen Klinkerstil. Seither ist nicht viel modernisiert worden: die kleine Stadt wirkt wie aus der Zeit gefallen.

   Ausser dem Schlachtfeldtourismus ist wenig los in Verdun: nur ein nennenwertes Restaurant gibt es, bescheidene Geschäfte und Immobilienpreise, die vom Pariser Niveau so weit entfernt sind wie der Mond von der Sonne, tiefste Provinz.

   Wie im Musical und Film das Dorf Brigadoon einmal alle hundert Jahre für einen Tag auftaucht und dann wieder verschwindet, so war der 29. Mai 2016 der Tag, an dem die ganze Welt François Hollande und Angela Merkel zuschaute, wie sie beschworen, dass Verdun nie vergessen werde.

   Was Frankreich und seine Schulklassen anlangt, ist das sicherlich richtig.

Heinrich von Loesch