US-Präsident Barack Obama hat den syrischen Machthaber Baschar al-Assad und seine Verbündeten Russland und Iran mit drastischen Worten für die katastrophale Lage in Aleppo verantwortlich gemacht. Die Welt sei "geeint in dem Entsetzen über den grausamen Angriff des syrischen Regimes" und seiner russischen und iranischen Verbündeten. (Welt N24)

   Obama sieht fern. Obama liest Nachrichten. Obama ist echt entsetzt und gibt seinen Gefühlen Ausdruck. Dennoch kann es sein, dass Obama einen schiefen Blick auf die Wirklichkeit hat.

   Einer der besten Kenner Syriens, Patrick Cockburn, urteilt im Independent: Es kommt mehr Propaganda als Information aus Aleppo.

   Da die Islamisten in Syrien seit Jahren keinen westlichen Journalisten dulden (die wenigen, die versuchten aus ihrem Gebiet zu berichten, wurden hingerichtet), gibt es aus Ost-Aleppo nur die Hofberichterstattung der Islamisten mittels ihrer dafür beschäftigten Blogger oder Tweeter, die von den nachrichtenhungrigen Medien unkritisch übernommen wird. Diese Berichte kreiden die Lage der Zivilbevölkerung der Regierung und ihren Verbündeten an.

   Tatsache ist, dass der Widerstand gegen Assad in dieser Phase des Krieges fast ausschliesslich aus Dschihadisten der übelsten Sorte besteht, die im Solde irgendwelcher Nachbarländer kämpfen und sich um die Zivilbevölkerung ebenso wenig scheren wie die Assad-Regierung.  Der wesentliche Unterschied ist, dass die Dschihadis keine Fluzeuge und potenten Verbündeten wie Russland haben. Sonst hiesse das Schlachtfeld nicht Aleppo sondern Damaskus, und Obama müsste die Leiden von Damaskus beklagen. Die Dschihadisten führen ebenso brutal Krieg wie Assad: sie sind Blutsbrüder des Islamischen Staats, des Daesh.

   Es gibt nur eine Alternative für Syrien: entweder Assad oder Dschihad. Welche von beiden ist Obama lieber?

   Für Putin ist es klar. Er mag keine Islamisten, hat sie noch nie gemocht. Vielleicht mag er auch Assad nicht, aber er zieht ihn allemal vor.

Ihsan al-Tawil