Von den zwölf Monaten des Jahres verbringt der motorisierte Deutsche gefühlt einen Monat im Stau. Mehr als Terrorismus, Klimawandel und Nullzins-Politik fürchtet der Deutsche den Stau.

   Ganz zu Unrecht, denn Stau ist eigentlich ein Segen. Für die Menschen, die Fahrzeuge und das Klima. Hunderttausend Bürger, die sich im Stau befinden, entlasten die staufreien Strassen, auf denen der Verkehr flüssig rollen kann. Hunderttausend im Stau verbrauchen wenig Kraftstoff, denn ihr Fahrzeug ruht oder rollt ganz langam. Sie belasten daher wenig die Klimabilanz. 

    Wie vom Verkehrsfunk empfohlen, weichen Stauflüchtlinge "weiträumig" aus, bringen Leben und ihre Folgestaus in die Pampa und bescheren verschlafenen Dorftankstellen unverhoffte Hochpreis-Verkäufe.  

   Die hunderttausend oder mehr Staugebremsten arbeiten nicht oder nur geringfügig auf dem Smartphone. Dadurch mindern sie die volkswirtschaftliche Produktion, was hilft, den deutschen Exportüberschuss zu verringern und dadurch den defizitären Südländern zu helfen. Weil die gestauten Hunderttausend in der Produktion fehlen, behelfen sich die Firmen mit Teilzeitkräften und Immigranten, was gender- und integrationspolitisch wünschenswert ist.

   Längst hat die Politik erkannt, welchen Segen die Staus für die Wirtschaft darstellen können. Das Bundes-Stauverwaltungsamt soll in der kommenden Legislaturperiode das bisherige Bundesverkehrsministerium ersetzen und eine bundesweite Baustellenplanung ermöglichen, die das Staugeschehen dergestalt harmonisiert, dass jederzeit wenigstens 100.000 Vollzeit-Arbeitskräfte der Produktion entzogen werden.

   Das langfristige Ziel der Planung bis 2030 ist es, so viel verfügbare Arbeitszeit durch Urlaub, Feiertage, Krankheit und Staus zu absorbieren, dass die fortschreitende Roboterisierung der Produktion keine Arbeitslosigkeit erzeugen kann. Die Deutschen sollen fröhlich im Stau stehen können, wissend, dass die von den Robotern gezahlten Steuern wie gewohnt den Wohlstand für Alle garantieren. 

Red.