Die Massenblätter Sun, Daily Mail, Express, Mirror etc. hatten vollen Erfolg. Die ältere Generation stimmte wie es die Zeitungen empfahlen: Brexit. Kein Kompliment für die kollektive Intelligenz des Albions.

   Brüssel freut sich: bald sind wir die Briten los, und damit viel Ärger. Camerons Extra-Konzessionen vom Februar sind jetzt im Shredder. Die Franzosen denken an De Gaulle, der sagte: “Die Briten haben sehr besondere, sehr eigenartige Gewohnheiten und Traditionen und sind sehr verschieden von den Bewohnern des Kontinents”. Er musste es wissen, er hatte sein Exil im II. Weltkrieg in England verbracht. Deswegen sind die Franzosen jetzt knallhart: sie wollen die Briten so schnell und so gründlich wie möglich draussen haben.

   Aber die Briten denken über die Katastrophe nach, die sie unnötigerweise angerichtet haben und wollen plötzlich das Ergebnis nicht recht wahrhaben. Erste Reaktion: abwarten, Tee trinken. Vielleicht kann man den Austritt verzögern. 

   Aber vielleicht braucht man garnicht auszutreten: eine Sammlung von 115.000 britischen Unterschriften*) forderte, die Brexit-Abstimmung nicht anzuerkennen, weil die knappe 52-Prozent-Mehrheit für den Austritt angesichts der Wahlbeteiligung von weniger als 75 Prozent nicht ausreiche. Man solle die Austrittsfrage vielmehr dem Parlament überlassen, das bekanntlich überwiegend europafreundlich gestimmt ist.

   Ausserdem rebellieren nicht nur Schotten und Nordiren, sondern vor allem die Jungen unter 40, die eine Rezession fürchten, europaphil sind und die Alten beschuldigen, ihnen die Zukunft zu vermasseln. Viele sehen die einzige Lösung in der Auswanderung nach Europa, Australien und Neuseeland.

   Wie immer das Tauziehen zwischen Alt und Jung, England und Schottland, Brüssel und London ausgehen wird: erst einmal ist alles erreichbare Porzellan zerschlagen. Nach vielen Tassen Tee könnte sich zeigen, dass sich die Franzosen zu früh freuen. 

Heinrich von Loesch

*) Inzwischen >1 Million  3 Millionen
 
Update 
Britain’s exit from the EU could be delayed until late 2019 as the bureaucracy struggles with the task and French and German elections may hold up exit negotiations, a report said on Aug. 13, 2016