In seinem Roman "2084. Das Ende der Welt" prophezeit der Algerier Boualem Sansal eine kommende muslimische Glaubensdiktatur.  Martina Meister interviewte ihn für die "Welt am Sonntag"

    In diesem Interview behauptet er folgendes:

"Nach der Unabhängigkeit gab es 150 Kinos und 250 Buchläden in Algerien. Heute gibt es kein einziges Kino mehr und vielleicht vier, fünf Buchläden in Algier. Dafür hat sich die Zahl der Moscheen vertausendfacht."

   Kann das stimmen?

 

   Eine kleine Recherche ergibt:

   Es gibt in Algier zwar mehrere kulturelle Säle für gelegentliche Projektionen und Wochenendvorstellungen. Es gibt Sommernachts-OpenAir-Projektionen, aber offenbar kein Kino mit einem Vollprogramm. Die alten Kinos der sechziger Jahre sind Gegenstand nostalgischer Webseiten.

   In Algier Wilaya (Stadt und Umland) gibt es für über 2 Millionen Menschen 59 grosse Moscheen. Zur Zeit sind 2000 Moscheen in Algerien im Bau, sagte der Religionsminister Mohamed Aissa. Damit steigt die Zahl der existierenden Moscheen auf 20.000, eine für je 2000 Personen.

   Die drittgrösste Moschee der Welt für 120.000 Betende (“Bouteflikas Traum") ist in Algier durch eine chinesische Firma im Bau für angeblich 3 Milliarden Euro und sollte 2016 fertig werden. Nun aber ist der Erdölpreis eingebrochen...  Kritiker meinen, die Regierung solle lieber das drittgrösste Krankenhaus statt der Moschee bauen. Oder Wohnungen.

--ed