Nach dem Untergang des Morsi-Regimes in Ägypten verlagerte sich das Zentrum der Bestrebungen der Moslem-Bruderschaft, den Nahen Osten zu beherrschen, nach Ankara.

   Es ist eine überflüssige Frage, ob Regierungschef Davutoglu und der Präsident Erdogan formell Mitglieder der Bruderschaft sind oder nicht. In jedem Fall sind sie Islamisten, die sich emsig bemühen, den Herrschaftsanspruch der Brüder in möglichst vielen Ländern durchzusetzen. Im Westteil Libyens ist das bereits gelungen; in Tripoli herrscht die Bruderschaft. Im Sudan und in Gaza regieren Ableger der Bruderschaft.  Seit 2011 kämpft die Regierung in Ankara, um die Bruderschaft in Syrien an die Macht zu bringen, mit ungewissen Erfolgsaussichten, wie folgende Nachricht zeigt:

Ankara: Neuer Versuch zur Vereinigung der syrischen Opposition

Im Zeichen der Friedensgespräche, die am Mittwoch in Genf wieder begonnen haben, haben sich moderate syrische Rebellenvertreter unter Vorsitz von Riad Hidschab in Ankara versammelt. Die Türkei gehört zu den einflussreichsten Förderern der Opposition in Syrien. Ankara scheiterte jedoch, die Opposition unter der syrischen Muslimbruderschaft zu vereinen. 

Bei dem lange zuvor geplanten Treffen wurde die allseitige Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht, alle syrischen Oppositionsgruppen in Syrien unter einem Banner vereinen zu wollen. Der politische Vorsitzende der Freien Syrischen Armee, Riad Hidschab, hielt zu diesem Zweck auch eine Sitzung mit dem türkischen Premierminister Ahmet Davuto─člu ab.

Medienberichten zufolge kamen aus den Regionen Aleppo, Damaskus und Dara jeweils drei Vertreter nach Ankara. Diese sollen im Rahmen einer Wahl entscheiden, wer die Leitung der Dachorganisation übernehmen werde. Nachdem Russland einen Teilabzug seiner Truppen erklärt hat und auch die libanesische Hisbollah ihre Truppen abzieht, scheint nunmehr die ideale Grundlage für nachhaltige Friedensgespräche am Verhandlungstisch gefunden zu sein.

Dem Syrien-Experten Levent Kemal zufolge seien die Gespräche vorerst dahingehend gescheitert, dass Ankara die FSA-Gruppen nicht unter Führung der syrischen Muslimbruderschaft, die Ankara zuvorderst hofiert, vereinigen konnte.

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   Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die EU mit 6 Milliarden Euro die Türkei für angeblich 8 Milliarden Euro türkischer Aufwendungen für die  Syrien-Flüchtlinge entschädigen will. Bedenkt man, dass die AKP-Regierung in Ankara jahrelang die Flüchtlinge ins Land gelockt hat, um das Assad-Regime zu stürzen und den Islamisten in Syrien an die Macht zu verhelfen, so muss man daraus schliessen, dass die EU-Mittel dazu dienen werden, die Kosten der türkischen Politik zugunsten der Bruderschaft zu kompensieren.

   Eine indirekte Subvention der Bruderschaft und der islamistischen Kämpfer, die das Blatt in Syrien noch wenden könnte.

--ed

 

Facts

Die Moslem-Bruderschaft gilt als terroristische Organisation in Bahrein,Ägypten, Russland, Syrien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In den USA gelten Mitglieder, Büros und Stiftungen der Bruderschaft als terroristisch, aber nicht die Organisation insgesamt. Im November 2015 lancierte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Ted Cruz einen Gesetzesvorschlag, der das Aussenministerium auffordert, die Bruderschaft eine "ausländische Terrororganisation" zu nennen.

Die offizielle Webseite der Bruderschaft ist ikhwanweb.com zuerst in Cricklewood, London, danach in Graz, Österreich. Der ägyptische politische Arm der Bruderschaft ist die Freedom & Justice Party, deren Organ http://www.fjponline.com in Dallas, Texas angemeldet ist.
Die türkische Regierung unterstützt Mitglieder der Brotherhood und ihre Veranstaltungen in der Türkei. Das Hauptquartier der HAMAS, die die Filiale der Bruderschaft in Gaza ist, befindet sich in der Türkei.

Präsident Erdogan war in den 70er Jahren Mitglied der World Assembly of Muslim Youth (WAMY), der grössten Islamischen Organisation, die eng mit der Global Muslim Brotherhood verflochten ist. Tariq Ramadan (Oxford) und Youssef al-Qaradawi (Qatar) sind Führer der Global Muslim Brotherhood. 

In Europa verfügt die MB über verschiedene nationale Organisationen. Das Markfield Conference Center gehört einer Stiftung des Muslim Council of Europe und beherbergt die Federation of Islamic Organisations in Europe (FIOE), eine der grössten Organisationen der Bruderschaft in Europa.

Bereits 1960 gründete sich in  Deutschland die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e. V. (IGD), die die mitgliederstärkste Organisation von Anhängern der MB in Deutschland ist.