Amerikanische Spötter sprechen von einem Präsidenten namens Bannon. Der Chef des Nachrichtendiensts Breitbart, Stephen Bannon,  ist Donald Trumps engster Berater und angeblich das Gehirn hinter dem Sprachrohr. Ob das stimmt, wissen wir nicht.

   Was wir wissen, ist, dass Bannon ein Meteor am Firmament der amerikanischen Rechten ist. Erst 2012 übernahm er die Leitung der Agentur Breitbart und verstand es, den Nachrichtendienst mit echten und gefakten Berichten über Islam und illegale Einwanderung stark in den Vordergrund zu spielen.

   Die Geschichte der rechten Internet-Publizistik in den USA ist viel älter. Sie begann 1997 als Joseph Farah, ein Sohn syrischer und libanesischer Einwanderer, eine Plattform gründete, die er WorldNetDaily nannte. WND ist der granddaddy aller rechten und konspirativen Web-Journale. Zu Farahs “Leistungen” als Herausgeber und Chefredakteur zählt die “Birther”-Kampagne, die über Jahre hinweg bezweifelte, dass Präsident Obama geborener US-Bürger und als solcher legitimer Präsident sei.

   WND liebt pro-christliche und pro-israelische Themen, kämpft an allen Fronten gegen den Islam, gegen den allgemeinen Sittenverfall und unterstützt die “Preppers”, die sich auf den nahenden Weltuntergang usw. vorbereiten. Farah betreibt dazu einen florierenden Verlag, der die amerikanische Rechte mit einem steten Strom motivierenden Druckmaterials versorgt.

   Doch der eigentliche Star von WND ist nicht Farah sondern sein Top-Mitarbeiter Jerome Corsi. Für die Birther-Kampagne reiste er sogar nach Kenia und wurde prompt verhaftet.  Wer Corsi über die Jahre hinweg gelesen hat, dem ist nichts Rechtes mehr fremd. Jedes der heute von Präsident Trump und den Seinen verfolgten Themen ist in Corsis Artikeln und Büchern ausfúhrlich abgehandelt worden. Anti-Islam, Anti-Einwanderung, Birth, Anti-Iran, Pro-Israel, Anti-Klima, Anti-UN, auch kurioses wie die Theorie, dass Erdöl nicht organischen Ursprungs sei, sondern mineralisch nachwachse.  Man mag Corsi für seine fake stories, seine Übertreibungen und seine Häme kritisieren und belächeln: er hat das Regierungsprogramm der Trump-Regierung massgeblich geformt.

   Nach dem Ende einer unrühmlichen, möglicherweise unsauberen Episode als Finanzberater begann Corsi 2004 eine erfolgreiche Zweitkarriere als Bestseller-Autor und tonangebender Redakteur von WND. Er ist Mitglied der kleinen Constitution Party. 2005 plante er, sich um John Kerrys Senatssitz in Massachusetts zu bewerben, was aber nicht klappte. Dann erklärte er sich 2008 als Höhepunkt seiner bisherigen politischen Karriere zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei.

   Nun ist Corsi seinem Traum ganz nahe gerückt: er ist bei WND ausgestiegen und wird Washingtoner Chefkorrespondent für Trumps Lieblings-Journal Infowars, das von Rechtsaussen Alex Jones als Elite-Organ seiner Radio- TV und YouTube-Sendungen herausgegeben wird. Als Mitglied des Pressekorps des Weissen Hauses ist Jerome Corsi nun ein weiteres Schwergewicht in der rechten Mediengalaxie Washingtons geworden, mit direktem Zugang zu Stephen Bannon und Pressesprecher Sean Spicer. Er kann sein Glück kaum fassen, dass seine Hasskampagnen und Verschwörungstheorien (mit Ausnahme des Erdöls) nun offizielle amerikanische Politik werden, und er darüber berichten kann.

"Birther gesellt sich zu Birther um über eine Regierung zu berichten, die von einem Birther geleitet wird", spottet MediaMatters

 

John Wantock