Die Überwachung ist total. 24 Stunden am Tag. Überall, wo ich mich aufhalte. Wie kam es dazu?

Es begann bei einem speed dating in einem grosstädtischen Tierheim. Eine Auswahl von 2000 verfügbaren Hunden. Ein als schüchtern bekannter Rüde unbekannten Alters, ein mittelgrosser Mischling, ergriff die Initiative. Nach kurzem Anlauf landete er auf meinem Schoss. "Hier bin ich, hier bleibe ich," deutete er an.

Ich war so baff, dass ich seine Wahl akzeptierte. Kurze Zeit später marschierte er stolz mit mir an der Leine aus dem Tierheim und machte es sich in meinem Auto bequem.

Seine Zuneigung ist so total, dass er mich seither keine Minute aus den Augen lässt. Selbst in der Nacht kampiert er vor meinem Bett auf dem harten Boden, obwohl ich ihm ein eigenes Matratzenlager im Wohnzimmer eingerichtet habe.

Ich konsultierte den Tierarzt, der aus seiner Wehrdienstzeit mit der Abwehr vertraut ist. Der Veterinär lachte nur. "Das passiert, wenn man einen Hund aus dem Tierheim adoptiert."

Wow! Ich staunte.

"Die Tierheime sind arm. Für ein paar Euros tun sie alles. Die lassen Leute von einem obskuren Tierschutzverein herein, die in Wirklichkeit Agenten der NSA sind und die schlaueren Tiere mit dem olfaktorischen X-CanCProgram implantieren. Beim speed dating schnappen die programmierten Hunde sich die jeweilige Zielperson und unterwerfen sie in der Folgezeit totaler Überwachung."

Ich konnte es nicht glauben. Wie können Sie das beweisen?

"Passen Sie auf," sagte der Arzt. "Wenn ihr Hund jeden Tag beim Gassigehen an ein und demselben Strauch stehen bleibt und dort schnüffelt, immer wieder, dann ist er ein NSA-Köter."

Richtig. Jeden Tag zerrt mich der Hund zu demselben Busch.

"Ein whistleblower hat dem Tierärzteblatt verraten, dass die NSA in dem jeweiligen Busch einen sleeper deponiert, der sich anschaltet, sobald sich der Hund olfaktorisch identifiziert hat und das jüngste software update hochlädt. Bei dieser Gelegenheit zieht der sleeper dem Hund Ihre Daten aus der Nase und sendet sie nach Fort Meade, Maryland."

Um Gottes Willen — was können die bloss von meinem Hund erfahren? Der weiss doch nichts!

"Denken Sie. Der speichert eine Menge Informationen über Sie in seinem etwa 40 Gigabyte grossen olfaktorischen Gedächtnis. Alle Ihre Bewegungen. Ihre Verwandten, Freunde und Bekanntschaften. Ihre Gewohnheiten. Sind sie modern und Amerika-freundlich, weil sie Produkte der Konzerne Toggie und Woofieh verfüttern? Oder sind Sie nationalistisch, weil Sie das Futter selbst zubereiten? Welches Auto fahren Sie? Tragen Sie Jeans? Trinken Sie schottischen Whisky oder amerikanischen Whiskey? Welche Zeitung kaufen Sie? Sehen Sie viel fern, und zu welcher Zeit? Die NSA speichert zur Entschlüsselung in Fort Meade 2,3 Milliarden unterschiedliche Gerüche von Apfelkuchen-Sorten bis Zeitungspapiere."

Wie schütze ich mich vor meinem Hund? Es gibt nur einen Ort, wohin er mir nicht folgt: das Badezimmer. Ich kann doch nicht im Bad leben?

"Seien Sie dankbar, dass es bei der NSA noch gentlemen gibt. Die haben dem X-CanC einprogrammiert, dass Sie im Badezimmer das Recht auf privacy haben. Also bitte nicht klagen. Es könnte schlimmer sein. Wenn Putin könnte wie er wollte..."

 

Isabella Gattara