Präsident Trump will Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Einfuhren erheben. Europas Stahlkocher schreien zetermordio. Brüssel, Paris  und Berlin drohen mit Gegenmassnahmen, also Handelskrieg.

    Weshalb, sollte man fragen, exportiert das kleine Europa überhaupt Stahl in die USA? Muss denn ein übervölkerter, umweltgefährdeter Erdteil wie Europa ausgerechnet eine so schmutzige, energieintensive Ware wie Stahl exportieren? Sollte man die Herstellung nicht besser grossen Ländern mit viel Umwelt wie Russland, den USA , Kanada und Brasilien überlassen?

    Jedesmal, wenn Trump das Wort Zoll in den Mund nimmt, jaulen die anderen Industrieländer auf. Dabei sollten sie froh sein, wenn endlich Massnahmen ergriffen werden, um das chronische Zahlungsbilanz-Defizit der USA einzudämmen und die Verschuldung abzubauen.

    Sicherlich ist die Dollar-Schwemme als Ergebnis der zunehmenden amerikanischen Verschuldung das Schmiermittel, das die Weltwirtschaft zu immer neuen Rekorden treibt. Sicherlich würde eine merkantilistische Politik der USA, die Importe erschwert und Exporte fördert, für die Weltwirtschaft einen kräftigen Tritt aufs Bremspedal bedeuten. Einerseits.

    Andererseits würde der Rauschmittel-Entzug der verminderten Dollarschwemme die Weltwirtschaft in eine stabilere Bahn lenken. Weniger Wachstum aber mehr Stabilität. Weniger Angst vor dem Crash.

    Gerade ein so stabilitätsbewussten Land wie Deutschland sollte sehr gründlich nachdenken, ob es nicht vielleicht klüger ist, Trump nachzugeben und ihm einen Erfolg zu gönnen, anstatt mit Gegenmassnahmen einen Handelskrieg zu entfesseln.

    Trump mag unsympathisch sein, mag umstritten sein wie kein anderer Präsident seit Jahzehnten. Aber das heisst nicht, dass alles falsch ist, was er anstrebt.

Heinrich von Loesch