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...und die verrückte Geschichte, wie es kam, dass ich am 15. Scheidungstag meiner Eltern geboren wurde

So, hier stehe ich nun, Heinrichs längste (meine übrigens auch) Beziehung, Mehr als 17 Jahre Liebe, Freundschaft und Partnerschaft, davon mehr als 15 Jahre Ehe. Von uns aus hätte es eine Ewigkeit so weitergehen können. Heinrichs erklärtes Ziel war es, so alt wie Henry Kissinger zu werden, also mindestens 100 Jahre. So geistig fit war er ebenso wie dieses "Vorbild" bis zur letzten Sekunde seines Lebens. 

Meine Hilflosigkeit verschiedenen Personen und Institutionen gegenüber hinterlässt noch immer schwere Nachwirkungen des Schockes bei mir. Ich bin sicher, dass man Heinrich noch zu ein paar Lebensjahren verhelfen hätte können. Jetzt muss ich mit einem unfassbaren Verlust leben. So viel hatten wir noch vor, so viel sollte noch besprochen werden.

Aber nun will ich von meinem Leben vor Heinrich sprechen, das praktisch über Umwege zu Heinrich und unserer Liebe geführt hat.

Eine zentrale Rolle spielt mein Vater, dessen Geschichte so viel interessanter ist als die meine.

Ich wurde im November 1962 als zweites Kind von Gerda Beyer (*1922, verwitwet, geborene Dathe, geschiedene Dahrmann) und Hans Dahrmann (*1916) geboren, ausgerechnet am 15. Jahrestag ihrer Scheidung. Im Gegensatz zu meinem Bruder (*1943) bin ich ein uneheliches Kind. Dies fand meine Mutter immer furchtbar, während ich darauf irgendwie immer stolz war. Eigentlich habe ich die zweite, schon geplante Hochzeit meiner Eltern verhindert, da ich mich unverhofft „ankündigte“.

Durch die zwischenzeitliche Heirat meiner Mutter mit ihrem Jugendschwarm, ihrem ehemaligen Schuldirektor aus Jugendzeiten, hatte sie eine kleine aber wichtige Pension erworben (klein, weil der Altersunterschied von 30 Jahren zu groß war, und sie deshalb nur die Hälfte der Witwenpension erhielt, wichtig, weil der Verdienst meines Vaters kaum ausreichend für 3 Personen war).

Das Ganze hatte den verwirrenden Effekt, dass drei Namen an unserem Klingelschild und Postkasten standen: Beyer für meine Mutter, Dahrmann für meinen Vater und Bruder und Dathe (der Mädchenname meiner Mutter) für mich. Meine Mutter wollte dies ändern lassen, und mir den Nachnamen meines Vaters geben, aber ein unfreundlicher CDU-Beamter hat ihr mit einem „man kann halt nicht alles haben“ diesen Wunsch abgeschlagen. Danach hat sie ihr Leben lang nicht mehr CDU gewählt…….

Erst einige Jahre später wurde es möglich, dass ein Vater seinem Kind seinen Namen gab, ohne es zu adoptieren (vorher war dies meiner Mutter unheimlich, wenn mein Vater mich adoptiert, ihm etwas zustößt, und sie dann vielleicht nicht die Fürsorge für mich bekommt). Noch heute überlege ich gelegentlich, wenn ich nach meinem Geburtsnamen gefragt werde, ob ich Dathe noch angeben soll, aber das sorgt nur für Verwirrung……

 

Meine Mutter wuchs ohne ihren Vater auf, obwohl sie immer hoffte, dass er zu meiner Großmutter und ihr zurückkehrt. Meine Großmutter, die vor meiner Geburt starb, war zeitlebens immer wieder sehr krank und hatte schweres Asthma. Deshalb blieb meiner Mutter der Bund Deutscher Mädl (BDM) erspart (obwohl sie gerne mitgemacht hätte, da sie die Gesellschaft anderer Kinder immer genossen und ein Geschwisterkind ersehnt hat). Da beim BDM ab 1936 eine Pflichtmitgliedschaft bestand, gehörte sie nach dem Krieg zu den extrem seltenen nicht Belasteten und konnte in einem Kasino für Amerikanische Soldaten arbeiten. Aber dazu später….

Meine Großmutter nähte im Krieg Mäntel für Deutsche Soldaten, und meine Mutter legte denen Briefe zur Aufmunterung oder einfach Grüße dazu. So kamen meine Eltern erstmals in Kontakt.

Mein Vater, Hans Dahrmann wurde im Januar 1916 mitten im ersten Weltkrieg in Angermünde geboren, als Sohn von Frieda und Paul Dahrmann (Tischler), die beide das Geburtsjahr 1892 hatten. Er blieb ihr einziges Kind. War seine Geburt vor dem Lungensteckschuss im Krieg in Frankreich, der meinem Großvater fast das Leben gekostet hat und ihn sein Leben lang gehindert hat, seinen Beruf weiterhin auszuüben, oder danach? Ich weiß es nicht. 

Meine Großeltern waren nicht wohlhabend und zogen nach Berlin, dort haben sie nur noch als Hausmeister wegen seiner Kriegsverletzung arbeiten können. War das der Grund, dass mein Vater einen Teil seiner Kindheit auf dem Land in der Uckermark verbrachte, wo sein Stief-Großvater in Altkünkendorf als Gutsschäfer angestellt war? War dort die Versorgung des Kindes besser gesichert?

Jedenfalls liebte mein Vater die Landschaft dort sehr, zog alleine mit den Schafen herum, schnitzte Pfeifen aus Rohr und war sich allein genug. Allerdings muss ihn auch Heimweh nach seiner Mutter gequält haben, denn er liebte sie sein Leben lang abgöttisch. Von ihm, der immer davon träumte, Tierarzt zu werden (unmöglich bei den wirtschaftlichen Verhältnissen damals), Vögel in Käfigen hasste und mit allen Tieren mitfühlte, habe ich meine riesige Empathie "geerbt" und den Wunsch, seinen Berufswunsch später selbst zu verwirklichen.

 

Demnächst geht es weiter....