Zum Inhalt springen

Heinrich Johann Burkhart von Loesch wurde am 19.02.1934 in Berlin Wilmersdorf als zweites Kind von Dr. Karl Christian (*1880) und Maria von Loesch (*1894, geborene Fürst, geschiedene Pechel), geboren,

nachdem ihr erstes gemeinsames Kind (Karl Christian Julius Johann Balthasar geboren am 03.10.1932) schon in den ersten Lebensmonaten verstorben war. Da der früh verstorbene Bruder nicht einmal im Gotha (Gothaisches Genealogisches Handbuch (GGH)) erwähnt wird, nutze ich gerne die Gelegenheit, hier seiner zu gedenken.

Während es für beide die zweite Ehe war, wobei die erste von Karl Christian kinderlos geblieben war, hatte seine Mutter aus erster Ehe schon zwei Söhne (Peter und Jürgen Pechel), die Heinrich ihr Leben lang nicht nur Halbbrüder sondern auch Berater und Freunde waren.

Maria und Heinrich

Berlin und Hagenberg

Die ersten Lebensjahre verbrachte Heinrich in einem Haus in der Ballenstedter Straße in Berlin und wurde gelegentlich auf Schlösser der Familie geschickt, wie es beim Adel damals üblich war. Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es auf den Schlössern meist kalt war und schlechtes Essen serviert wurde.

Über seinen Vater wissen die Historiker weit mehr als ich, ich verweise z.B. auf den Wikipedia-Eintrag: (https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=3135119). Er war Leiter des Institutes für Grenz- und Auslandsstudien in Berlin Steglitz.

Ein Anhänger Hitlers war Heinrichs Vater nicht, bei einer Einladung im Juniclub 1922 in Berlin war Hitler schon durch seine „proletarische Primitivität“ negativ aufgefallen.

Köchin und Hausmädchen waren allerdings glühende Anhängerinnen des Führers, so dass kritische Gespräche in ihrer Anwesenheit unterbleiben mussten.

An den Putschversuchen gegen Hitler wollte sich der Vater aber trotzdem nicht beteiligen, da er die Beteiligten nicht für zuverlässig genug erachtete.

Heinrich saß noch mit am Tisch, wenn Erich von Manstein (https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_von_Manstein) zum Essen eingeladen war, ein Verwandter und Freund des Vaters, der ebenfalls für die Putschversuche gegen Hitler nicht zu gewinnen war, allerdings aus anderen Gründen.

Heinrich hatte lange Zeit mit der „Deutschtümelei“ (wie er es nannte) seines Vaters zu kämpfen.

Als die Bombardierung Berlins durch die Alliierten zunahm, wurde Heinrich mit seiner Mutter nach Hagenberg (Oberösterreich) in das Schloss, das damals seinem Onkel Friedrich gehörte, geschickt. Dort bewahrte ihn seine kluge Mutter vor dem möglich vorzeitigen Tod, als sie verhinderte, dass er in eine NAPOLA eingeschult wurde, da sie dem damaligen Ortsvorsteher zu bedenken gab, dass der Platz doch eher einem Österreicher als einem Volksdeutschen zustünde. Wie Heinrich immer berichtete, kam sein gesamter Jahrgang dieser Napola am Balaton um.

So besuchte Heinrich die Schule in Pregarten und erhielt als jüngster Jungenschaftsführer des Gaus Oberdonau (wie er in einm älteren Artikel berichtete "...wurde mir im August 1944 die Ehre zuteil, ein paar Wochen im Gauschulungsheim Nussdorf am Attersee paramilitärisch ausgebildet zu werden und mich dadurch für Aufnahme in eine NAPOLA-Erziehungsanstalt zu qualifizieren (die mir gottseidank erspart blieb)..." Ballistik-Unterricht  und Schulung im Gebrauch von Schusswaffen.

Als das Bombardement auf Berlin zu stark wurde, kam auch sein mittlerweile schwerkranker Vater zu ihnen nach Österreich. Vorher hatte er noch mit dem Hausmeister zusammen auf dem Dach in der Ballenstedter Straße gestanden und fliegende Funken gelöscht, so dass dieses Haus das einzige war, das nicht abbrannte.

Über die Zeit der russischen Besatzung hat Heinrich schon selbst hier auf germanpages.de berichtet: https://germanpages.de/?view=article&id=682:rote-armee-1945-russische-armee-2022&catid=2&highlight=WyJoYWdlbmJlcmciXQ==

Er bewarf russische Kolonnen von Brücken aus mit Eisbrocken, übte das Fahren von Panzern mit den zurückgelassenen Fahrzeugen und sah wie deutsche Kriegsgefangene, die von den Amerikanern vorbeigetrieben wurden, am Straßenrand vor Erschöpfung starben oder erschossen wurden.

Gerne erzählte er die Geschichte, dass er der Roten Armee als Elektriker (mit ca. 12 Jahren) "gedient" hat, schon früh war er ein begabter Hobby-Elektriker.

Weniger spaßig war die Geschichte, dass er russischen Soldaten das Fahrradfahren beibrachte, auf seinem einzigen Fahrrad, ohne Bereifung, aber immerhin mit Rädern ….., und als ein Soldat das Fahrrad forderte, sein Vater ihm riet, es dem Soldaten zu überlassen. Nur eine kleine Begebenheit aus einer relativ schwierigen Beziehung zwischen einem 54 Jahre älteren Vater und seinem einzigen Kind.

Salem und Stuttgart

Da das Haus in Berlin nicht abgebrannt, aber verloren war, und man nicht in Österreich bleiben konnte, beschloss Heinrichs Mutter, dass man nach Stuttgart gehen sollte, da sie ursprünglich von dort stammte.

Jougoslawiens neue Regierung verlangte die Auslieferung von Heinrichs Vater, wohl gleich mit dem Rest der Familie. Dies wurde durch Schumy verhindert, aber Österreich war keine Dauerlösung.

Die Bibliothek von Karl Christian ging nach Amerika an die Hoover Institution. Immerhin bescherte dies der Familie Care-Pakete aus den USA.

Lustig fand ich immer, wenn Heinrich erzählte, dass die Kinder sich den eingebleuten Hitlergruss abgewöhnten, indem sie ihren rechten Arm unten mit dem linken festhielten und "Drei Liter" riefen.

Heinrich kam noch für eine kurze Zeit in das Internat Salem, dort war die Verpflegung aber miserabel, und seine Halbbrüder haben sich dafür eingesetzt, dass er nach Stuttgart zu den Eltern kam. Die Schüler in Salem hatten Presskuchen aus der Ölpresse (verboten) und Fallobst (ebenfalls verboten) vor Hunger gegessen.

In Stuttgart kam er dann 1947 aufs Wilhelms-Gymnasium, das er 1954 mit dem Abitur abschloss. In Stuttgart gewann er auch Freunde wie z.B. Hans-Günther von Maur, die ihn ihr ganzes Leben lang begleitet haben. Gerne erzählten beide, wie Heinrich als begabter Elektrobastler einmal seinem Freund mittels eines Knochenhörers, verborgen in Hans-Günthers Haar, bei einer Prüfung von der Schultoilette aus geholfen hat.

Da ich die Beurteilung im Abiturzeugnis (damals Reifezeugnis) sehr treffend finde, zitiere ich hier aus der allgemeinen Beurteilung:

„Heinrich von Loesch besitzt gute und vielseitige Anlagen: rasche Auffassungsgabe, beweglichen, gerne zur Kritik neigenden Verstand, Selbständigkeit des Urteils, Sinn für schöngeistige und weltanschauliche Fragen, dazu gute Umgangsformen, Sicherheit im Auftreten, große Belesenheit und Gewandtheit im mündlichen und schriftlichen Ausdruck. ……..“

Schon 1953 während der Schulzeit absolvierte Heinrich ein Ferienvolontariat beim Süddeutschen Rundfunk und arbeitete dann freiberuflich als Autor, Lektor und Reporter für den Süddeutschen Rundfunk und den Südwestrundfunk.

Tübingen, Zürich, Kairo und München

Da Heinrich nun nicht recht wusste, was er mit seinem Reifezeugnis studieren sollte, erwies sich sein Halbbruder Peter wieder einmal als hilfreicher Berater und schlug ihm das Studium der Volkswirtschaft vor, was Heinrich dann auch in Tübingen, Zürich, Kairo und München aufnahm und 1957 als Diplom-Volkswirt abschloss.

Nach Kairo war Heinrich durch Beziehungen seines Vaters gelangt. Dort war er ein Jahr lang für Karl von Wiegand https://en.wikipedia.org/wiki/Karl_Henry_von_Wiegand, der aus gesundheitlichen Gründen einen Teil des Jahres in seinem Haus in Kairo verbrachte, als Assistent und Fahrer tätig. Wiegand war Nahostkorrespondent der Hearst-Presse. Diese Erfahrungen und Zeit bescherten Heinrich später das Thema für seine Doktorarbeit "Ernährung und Bevölkerung in der Entwicklung der ägyptischen Wirtschaft" von 1966. Gewidmed hat er sie Lydia Oswald-Darviche und Karl H. von Wiegand (in memoriam).

1960 unternahmen sein Halbbruder Jürgen Pechel und Heinrich eine große Nahostreise, gefördert vom Bundespresseamt, die in der Folge zahlreiche Artikel für Radiosender und Zeitungen hervorbrachte.

Bremen

1961-62 verschlug es Heinrich einmal nach Bremen, wo er für den Hörfunk von Radio Bremen und für das Fersehen arbeitete, viele Hörfunkfeatures sind von ihm aufgezeichnet worden.

Aber Heinrich war kein Liebhaber des Nordens, weshalb er dort schnell kündigte. Schon als junger Erwachsener hatte er mit dem Rennrad die Alpen überquert, und die Vorteile des Südens lieben gelernt.

München

Von Bremen aus zog es Heinrich zunächst bis 1970 wieder nach München, wo er fleissig für NDR, HR, SDR, SFB und WDR verschiedene musikalische und wirtschaftliche Themen bearbeitete.

In dieser Zeit entstanden auch die Texte zu verschiedenen Panorama-Büchern, die im Wilhelm-Andermann Verlag, München, erschienen. In seinen Texten zu Andalusien (1964), Costa del Sol und Rhodos (beide 1966) und Spanien (1967 in der zweiten Auflage) beweist Heinrich wieder einmal sein großes lyrisches Talent, was er dann auch in dem Text zum Splendid-Buch im gleichen Verlag 1970 über Istanbul voll und ganz ausleben kann. Er war eben nicht nur ein Wirtschaftsjournalist, sondern an vielfältigsten Themen tätig.

Da diese Tätigkeiten alle freiberuflich waren, und sich 1968 ein Kind ankündigte, folgte der nächste große Lebensabschnitt mit einer zunächst befristeten, dann aber dauerhaften Stelle in

ROM

Bei der UN-Welternährungsorganisation sollte Heinrich letztlich 20 Jahre arbeiten und in der Presse-Abteilung nicht nur für deutschsprachige Medien zuständig sein.

Schon in den Jahren vor 1970 wird Heinrich an seinem Buch über das Problem der Übervölkerung gearbeitet haben. 1974 erschien dann "Stehplatz für Milliarden?" bei der Deutschen Verlagsanstalt. Herrausgeber war. Henrich von Nussbaum (1937-1998).

Zudem war er als Freier Mitarbeiter weiterhin für den Hörfunk tätig und reiste z.B: für den Bayerischen Rundfunk 1975 mehrmonatig um die Welt. Ähnliche Reisen nach Ostafrika und Lateinamerika fanden ebenfalls statt.

Eine meiner Lieblingsgeschichten war die Erzählung, wie er beim Außenminister von Kuwait eingeladen war und ihm im Empfangsraum zwei große, maschinengefertigte Teppiche von Vorwerk auffielen. Nichts, was man von so einer hochgestellten Persönlichkeit erwarten würde in einer Ecke der Welt, wo die edelsten handgefertigten Teppiche entstanden. Also fragte Heinrich den Minister, was es damit auf sich hätte, und der antwortete: "Ach, diese Perser, die bringen es nicht einmal fertig, zwei genau gleiche Teppiche herzustellen......".

1990 endete diese Tätigkeit, aber Ruhe war nichts für diesen rastlosen Geist, so dass er dem Angebot eines Freundes folgte nach:

Washington D.C.

Von 1991 bis 1997 war Heinrich als Berater der Consultative Group on International Agricultural Research (CGIAR) bei der Weltbank in Washington, D.C. und Redakteur der Zeitschrift CGIAR News  tätig.

Während dieser Zeit lernte er eine Frau aus Madagaskar kennen, mit der er in 

Petersburg/Virginia

1998 bis 2001 ein Anwesen renovierte, zu einem Bed and Breakfast umgestaltete (Ragland Mansion) und unentgeltlich dort arbeitete als Manager und Koch..

Höchste Zeit, zu erwähnen, dass Heinrich ein außergewöhnliches Talent besaß, Häuser und Wohnungen mit besonderem Flair auszustatten. Dabei kamen ihm wohl die Aufenthalte als Kind auf den verschiedenen Schlössern der Familie, als auch das von seiner Mutter geerbte/geförderte Talent, die in den 1920 als Schaufenstergestalterin gewirkt hatte. Auch eine Web-Präsenz und die akribische Nachforschung zur Geschichte des Anwesens lagen ihm am Herzen.

Die ganze Geschichte nahm durch den Krebstod der Partnerin und Lug und Betrug an Heinrich ein unrühmliches Ende. Es ist beschämend zu sehen, wie sich heute die Erbin mit Heinrichs Arbeit und Mühe schmückt, denn er hat nicht nur Geld, sondern v.a. die Früchte seiner jahrelangen Mühen eingebüßt. Jeder, der Heinrich und seine Wohnungen kannte, sieht unschwer, dass dieses Haus ganz und gar sein Projekt war, und wieviel er dafür getan hat. 

Nun hatte Heinrich keinen Grund mehr, die USA aufzusuchen und lebte fortan wieder in

 Rom und München

  2002 begann Heinrich dann an germanpages.de zu arbeiten.

Im Winter 2007 lernten wir uns in München kennen, im Frühjahr 2008 wurden wir ein Paar, im Sommer 2008 zogen wir zusammen, und im Dezember 2010 haben wir geheiratet.