Die Ballenstedter Strasse in Wilmersdorf war vor dem II. Weltkrieg eine der elegantesten Villenstrassen Berlins. Klassizistische Gebäude bestimmten ihren Charakter. Eine asphaltierte Strasse, rechts und links flankiert von Sandstreifen mit Bäumen, gepflasterten Gehwegen und Vorgärten.

    Dann kamen die Bombardements. Das erste Opfer wurde 1941 durch einen Volltreffer die Villa des amerikanischen Gesandten William R. Smyser, der trotz allem  ein Freund Deutschlands blieb. Nach dem Schreck der Bombennacht blieb uns Kindern das Vergnügen, scharfkantige Bombensplitter zu sammeln.

    Das wichtigste Gebäude der Strasse war ein klassizistisches Reihenhaus englischer Art mit einem Säulenportal in der Mitte, das der Petersburger Stadtarchitekt Alexander Klein in den zwanziger Jahren für die geflohenen russischen Adligen gebaut hatte, die sich keine eigenen Palais mehr leisten konnten.

    Die Familie Nottmeyer bewohnte das noble Mittelhaus, eine Frau v. Kropf wohnte hinter einer der beiden schmückenden Trauerweiden, ein Eckhaus gehörte einem Direktor Haus von der Colonia-Versicherung. Ein Stück weiter auf dieser Seite wohnte Erna Baronin Rothkirch samt Sohn Dickie in einer palladianischen Villa.

   Im Zuge der Juden-Verfolgungen sah man gegen Ende der dreissiger Jahre öfters Menschen mit dem gelben Stern die Strasse entlanggehen. Die Familie Kaczmarek, der eine Villa nahe der Kreuzung Brandenburgische Strasse gehörte, war plötzlich über Nacht verschwunden.

    Dann kamen die Bombardements, und ein Haus nach den anderen wurde getroffen. Das grosse Reihenhaus brannte bis auf ein Teil-Haus – die Nummer 14a – aus und wurde nach dem Krieg mehr schlecht als recht wieder aufgebaut.

     Heute mutet die Strasse ziemlich trostlos an. Die Ecke Brandenburger Strasse ziert ein Gebrauchtwagenhandel. In Büchern zum Gedenken an das alte Wilmersdorf wird die Ballenstedter Strasse kaum erwähnt. Doch ein altes Foto existiert noch, nämlich dieses:

 Ballenstedter Strasse

photo & Text: Heinrich v. Loesch