Es war ein schöner Tag im Sommer 1944. Ich sass in einem Friseurstuhl in Prägarten, Gau Oberdonau, (jetzt Pregarten, O.Ö.) und mir wurden die Haare geschnitten, Façon mit Scheitel. Während der Friseur an mir schnippelte, unterhielt er sich mit einem anderen Kunden.

   “Stellen Sie sich vor, ich habe einmal sogar dem Führer die Haare gschnitten". Man hörte den Stolz in seiner Stimme, als er erklärte, wo und weshalb ihm diese Ehre zuteil wurde. Was für Haar der Führer hat?

"Genau so wie der Bub hier, genau so", erläuterte der Friseur. Der Bub, das war ich. Und bin ich immer noch.

   Ein Glück, dass meine tüchtige chinesische Friseurin nichts davon ahnt. Sie könnte ja heimlich meine abgeschnippelten Haare aufkehren und in eine Auktion von Nazi-Memorabilia geben. Als die letzte Strähne, oder so.

   Horrorvision.

Heinrich von Loesch