Man spricht nicht mehr von Flüchtlingen – nur noch von Migranten. Lampedusa schlimmer als Lesbos? Demonstranten sperren den Zugang zur Mole: “Wir lassen sie nicht durch. Sie müssen sofort zuruck!” “Wir sind auf den Knien – wir können nicht mehr!”

   Lampedusa, wo in der Nacht zum 30. August weitere 450 Bootspassagiere ankamen, befindet sich im Chaos: die Inselverwaltung will in Streik treten, die Büros schliessen. Der Bürgemeister Totò Martello hat dem Präsidenten von Tunesien, Kaïs Saïed, geschrieben, dass er sich in ein Boot setzen und gegen den Migrantenstrom nach Tunesien fahren will, um zu protestieren.

   Im Hot Spot, dem Aufnahmezentrum von Lampedusa, dessen Kapazität Anfang August auf 290 Gäste erweitert wurde, befinden sich bereits 1500 Personen. Es sei zuviel für die kleine Insel, die Regierung in Rom dürfe nicht länger schweigen und sich drücken. Und draussen liegt auch noch die Seawatch 4, das deutsche Rettungsschiff mit 350 Personen an Bord und will nach Lampedusa oder in einen anderen italienischen Hafen.

   Der Evangelischen Kirche Deutschlands, der EKD. die Initiator und Mitträger des Schiffs ist, kommt offenbar nicht die Idee, dass sie die Migranten nach Deutschland bringen sollte, anstatt zu versuchen, sie wie menschlichen Müll im geplagten Italien abzuladen. Wenn es um hehre humanitäre Prinzipien geht, ist die EKD vorne dran. Wenn es schwierig und kostspielig wird, kneift die Kirche.

Heinrich von Loesch

 

Update

Die Oppositionspartei Lega von Matteo Salvini teilt mit:

“La Lega denuncerà il governo per favoreggiamento dell’immigrazione clandestina se permetterà lo sbarco di questi altri 353 clandestini a bordo dell’ennesima nave straniera illegale”

"Die Lega wird die Regierung wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung verklagen, wenn sie diesen weiteren 353 illegalen Einwanderern an Bord eines weiteren illegalen ausländischen Schiffes  (Seawatch 4, d.R.) an Land zu gehen".