Zum dritten Mal befasst sich die Deutsche Rundschau mit den Abenteuern der Evangelischen Kirche im Mittelmeer. Zweimal ist die Kirche gewarnt worden. Nun ist die Katastrophe wie erwartet eingetreten. Das Schiff der Kirche und ihrer Mitabenteurer in der NGO Sea Eye, die Alan Kurdi, irrt durch das Meer auf der Suche nach einem Hafen. Italien lehnt ab, Malta sowieso; nur Marseille – von wo die Alan Kurdi gestartet war – erklärt sich bereit, das Schiff anlanden zu lassen und die Bootsleute aufzunehmen. Paris aber verbietet das und schickt die Alan Kurdi zurück nach Italien.

   Das alles war vorhersehbar und vorhergesagt. Von Anfang an haben wir empfohlen, die aus Seenot geretteten Bootsleute (Flüchtlinge oder Migranten) auf kürzestem Wege nach Deutschland zu verbringen. Italien würde sich sicherlich nicht weigern, die Alan Kurdi in, sagen wir, Porto Empedocle anlanden zu lassen, wenn die Bootsleute direkt vom Hafenkai – ohne italienischen Boden zu betreten – zum Flughafen Agrigent gefahren und von dort entweder mit der Luftwaffe oder mit Chartermaschinen (die es gegenwärtig billig im Überangebot gibt) nach Deutschland geflogen würden.

   Der Bund sollte Verantwortung übernehmen für die Abenteuer seiner parastatalen Institution, der Evangelischen Kirche, und ihr mit der Luftwaffe zu Hilfe kommen. Wenn er das nicht tut, handelt er genauso verantwortungslos wie die Kirche an den 125 Bootsleuten, die nun verzweifelt auf der Alan Kurdi erfahren müssen, dass sie menschlicher Müll sind, den niemand haben will. Italien nicht, Frankreich nicht, und Deutschland bislang auch nicht.

  Menschen, die Gefangene einer Organisation von Abenteurern sind, die ihnen Rettung versprach und sie nicht liefern kann, weil sie vergessen hat, die erwartbaren Folgen ihres Handelns zu überdenken.  Bedford-Strohm ist nicht Carola Rackete.  Wenn sich am Ende doch ein Küstenstaat erbarmt und die Bootsleute herein lässt, wird der Bischof seine Lektion hoffentlich gelernt haben und sich mit Berlin absprechen, bevor er die Alan Kurdi in ein weiteres Abenteuer schickt.

Heinrich von Loesch

Update

Sardinien hat sich erbarmt. Aber nur für drei, vier Tage Schutz vor dem Sturm bei einer Insel ausserhalb von Arbatax, ohne anlegen, ohne Ausschiffung der Passagiere: Danach geht die Odyssee weiter.

 

Update II

Rom gestattet die Ausschiffung der Passagiere und erklärt, 80 Prozent von ihnen würden in andere Länder weitergeleitet. Heftige Proteste der Lega.