• Home
  • Blog
  • Kreml: Wie die Ukraine zur Umvolkung Russlands dienen soll

Kreml: Wie die Ukraine zur Umvolkung Russlands dienen soll

 

Umvolkung ist ein Begriff aus der NS-Terminologie. In Deutschland wird der Begriff von rechtsextremen und rechtspopulistischen Gruppierungen in Kontinuität mit völkischen Denkmustern verwendet, um den Multikulturalismus und den zunehmenden Anteil von Nicht-Deutschen (Ausländern und Deutschen mit Migrationshintergrund) an der Bevölkerung zu kritisieren (Wikipedia)

Umvolkung in Russland? Um diese Idee zu verstehen, muss man ein wenig zurückgehen. Es ist bekannt, dass die russische Führungselite nationalistisch denkt. Dass vor allem Präsident Wladimir Putin den Bevölkerungsrückgang in Russland als Problem ansieht, ist angesichts seiner bekannt langfristigen Denkweise nicht überraschend. Doch wie verträgt sich das daraus resultierende Bestreben, die Bevölkerungszahl hoch zu halten, mit der derzeitigen Kriegspolitik? Kriege führen per Definition immer zu einer Verringerung der beteiligten Bevölkerungen.

Nun, man kann davon ausgehen, dass Putin beim Einmarsch in die Ukraine einen Blitzkrieg ohne größere russische Verluste erwartet hat. Diese sind aber eingetreten. Warum beendet Putin den Krieg nicht jetzt, um weitere Verluste an (knappen) russischen Soldaten zu vermeiden?

Wenn wir uns die russische Strategie in der Ukraine ansehen, fallen mehrere Aspekte auf:

1. Die Freiwilligen, die durch die üppige Bezahlung (3500 Dollar/Monat) angelockt werden, kommen vor allem aus armen, unterentwickelten Regionen (Sibirien, Mongolei, Kaukasus), in denen es auch Jugendüberschuss und Arbeitslosigkeit gibt.
2. Die Besatzungsverwaltung transportiert kriegsgeschädigte oder gefangene Ukrainer unter Angabe falscher Motive und Zielorte nach Russland. Vor der Umsiedlung werden den Ukrainern alle Dokumente abgenommen und neue, falsche ausgestellt, die sie als Russen ausweisen.
3. In den besetzten Gebieten ist die Verwaltung bestrebt, alle Spuren der ukrainischen Vergangenheit auszulöschen und sie durch eine russische Darstellung zu ersetzen. Dazu gehören das Verbot der ukrainischen Sprache, die Auslöschung des ukrainischen schriftlichen und kulturellen Erbes und die gründliche Russifizierung des Alltagslebens.
4. All dies ist kein spontanes Ereignis, sondern die Verwirklichung einer langfristigen Planung, wie eine Untersuchung der Washington Post zeigte, die belegte, dass Russland seit 2014 den aktuellen Krieg systematisch vorbereitet hat, indem es mit erheblichem Aufwand verhinderte, dass die Ukraine Munition für ihre sowjetische Artillerie erwarb (für deren Herstellung es in der Ukraine keine Fabrik gibt). Regimewechsel und Korruption in Kiew halfen dem Kreml, das ukrainische Militär so schwach zu halten, dass es einem längeren Krieg nicht standhalten konnte. Dass sich die Ukraine dennoch effektiv wehrte, war nicht geplant.

Fügt man die einzelnen Fakten zusammen, ergibt sich folgendes Bild:

Die Tatsache, dass vor allem die nicht-europäischen, die "nicht-weißen" Regionen Russlands die Soldaten für den Krieg, das Kanonenfutter, liefern, hat zwei Effekte: Der europäische Teil des russischen Volkes wird verschont, während der "schwarze" (moskowitisch für kaukasisch) oder mongolische Teil des Volkes (dessen Zuwachs die "weißen" Rassisten der Putin-Clique fürchten) auf dem Schlachtfeld dezimiert wird. Ein schrecklicher, aber leider wohl realistischer Gedanke*).

Spiegelbildlich dazu wirkt Moskaus Plan für die Ukraine: Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen von Ukrainern werden im Laufe des Krieges nach Russland zwangsweise umgesiedelt. Die Propaganda gibt sie als "Flüchtlinge" aus, die "gerettet" wurden.  Einzelne Deportierte, denen es gelungen ist, über Moskau und Polen in die Ukraine zurückzukehren, vermuten eine Strategie der Verwaltung, die Ukrainer in dünn besiedelten, unterentwickelten Gebieten Russlands "anzusiedeln", wo sie nicht nur die "weiße" Bevölkerung stärken, sondern auch als billige Arbeitskräfte der Wirtschaft dienen sollen.

Der Plan des Kremls für die Zukunft der Ukrainer könnte also wie folgt aussehen:

- Ukrainische Patrioten ("Nazis") ausrotten (töten, wegsperren).
- Junge Ukrainer nach Russland deportieren, indoktrinieren und für den Rest des Lebens an der Rückkehr hindern.
- Den Rest der Bevölkerung zwar im Lande lassen, aber so gründlich russifizieren, dass selbst die Erinnerung an eine einst existierende Ukraine mit eigener Sprache, Kunst und Kultur im Laufe der Generationen verblasst

Ist es unfair, der Putin-Clique solche Absichten zu unterstellen? Für sie gelten die rund vierzig Millionen Ukrainer nur als fehlorientierte Russen ("Kleinrussen"), die zu Mütterchen Russland ("Grossrussland") heimgeführt werden müssen und dann helfen werden, das Gewicht der geburtenstarken Asiaten und Moslems auszugleichen. Dass der Krieg bislang rund 4 Millionen Ukrainer ausser Landes (nicht nach Russland) getrieben hat und der verbliebene Rest weit überwiegend starke Abneigung gegen die ihnen zugedachte Umvolkung empfindet, ist freilich eine von Moskau nicht vorhergesehene Entwicklung.

Sollte es Kiew gelingen, Teile der jetzt russifizierten Gebiete zurück zu erobern, dann wäre mit "Revolkung" über Nacht zu rechnen. 

--ed

Update

Per Dekret: Putin erleichtert Ukrainern die Einbürgerung nach Russland.  Russlands Präsident Wladimir Putin möchte offenbar viele Menschen aus der Ukraine zu Russen machen

 

*)   Pavel Luzin, ein russischer Militärexperte, erklärte im März gegenüber The Guardian, dass viele der Soldaten, die in diesem Krieg sterben, aus den ärmeren "ethnischen Minderheiten"-Republiken wie Burjatien, Kalmückien und Dagestan stammen.
Männer aus diesen Regionen sind vor allem in den unteren Rängen der russischen Armee zu finden, so Luzin.
Sowohl Dagestan als auch Burjatien haben die höchste Zahl offiziell gemeldeter Opfer in Russlands Krieg gegen die Ukraine zu beklagen, wie aus Daten hervorgeht, die von der russischen investigativen Nachrichtenagentur Important Stories zusammengestellt wurden.

 

„Sie sind sein Kanonenfutter“: Jetzt lehnen sich russische Minderheiten gegen Putins Krieg auf. (Frankfurter Neue Presse) 

Ukraine-Krieg: Russische Soldaten kommen wohl vor allem aus Dagestan und Burjatien

Laut Recherchen der Organisation „Mediazona“, einst gegründet von Pussy-Riot-Aktivistinnen, stammen die wenigsten Kriegstoten aus diesen beiden Millionenstädten (Moskau, St. Petersburg), die gleichzeitig die administrativen Zentren des Landes sind. Der Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Geraschtschenko, zitiert gar ukrainische Quellen, wonach russische Behörden Familien verstorbener Soldaten aus Moskau dreimal so viel an „Entschädigung“ zahlen würden wie Familien gefallener Soldaten aus Burjatien. Angeblich, damit sie in Moskau keine Stimmung machen. Die autonome Republik Burjatien gehörte einst zum Mongolenreich.

 

Print Email