Sergio Romagnani, Professor der Immunologie an der Universität Florenz, erhob in einem Interview mit der Römer Zeitung Il Messagero schwere Vorwürfe gegen das Gesundheitssystem Italiens. Statt wie in Südkorea das medizinische Personal durchgehend zu testen, habe man sich auf Tests im Falle von Symptomen beschränkt:

”É stato sbagliato non eseguire più tamponi, in modo sistematico, tra i medici e infermieri. In non pochi casi hanno continuato a lavorare anche coloro che avevano avuto contatti con pazienti positivi, ma erano asintomatici. Così, abbiamo reparti anche non in prima linea, in cui il coronavirus è circolato e sta continuando a circolare”.

"Es war falsch, nicht systematisch mehr Tests bei Ärzten und Krankenschwestern durchzuführen. In vielen Fällen arbeiteten sogar diejenigen, die Kontakt mit positiven Patienten hatten, weiter, waren aber asymptomatisch. Wir haben also Stationen (in den Krankenhäusern), die nicht einmal direkt mit dem Virus befasst sind, wo das Coronavirus zirkulierte und weiter zirkuliert".

   Dadurch sind die Krankenhäuser zu Virenschleudern ( Beispiel: Alzano Lombardo) geworden. Potentielle Patienten, die das ahnen, bleiben lieber daheim, stecken die Familie an und sterben nie untersucht, nie als Coronafall gemeldet. Schwere Vorwürfe, die – wenn sie sich in den nächsten Tagen als berechtigt herausstellen sollten – nicht nur einen Skandal darstellen, sondern eine Tragödie für Italien und mit ihm für alle Bewohner Europas bedeuten würden.

   Sollten die Quarantäne-Massnahmen Italiens in den nächsten Tagen nicht greifen, dann haben wir ein Problem, sagt Romagnani mit gewählt vorsichtigen Worten:

“I contagiati che vediamo oggi hanno avuto contatti con positivi probabilmente 10-12 giorni fa, dunque gli effetti del lockdown scattato, all’inizio della settimana scorsa, dovremmo cominciare a vederli nei prossimi giorni. Se non li vedremo, dovremo preoccuparci, sarà un guaio”.

Die Infizierten, die wir heute sehen, hatten wahrscheinlich vor 10-12 Tagen Kontakt mit Viruspositiven, so dass wir die Auswirkungen der Kontaktsperre, die Anfang letzter Woche eingeführt wurde, in den kommenden Tagen zu sehen beginnen sollten. Wenn wir sie nicht sehen, müssen wir uns Sorgen machen, es wird ein Problem geben.

P.S.

Nicht nur in Alzano Lombardo waren Ärzte Vektoren der Seuche. Auch in Berlin gefährdete ein Arzt die Bundeskanzlerin. Tragische Umstände oder unglaubliche Schlamperei ?


Update

Der Witwenmacher

   In Italien sterben Männer im Alter zwischen 60 und 89 Jahren viel häufiger als Frauen, genau gesagt 2,7 Mal so oft, wie die Statistik der Obersten Gesundheitsbehörde Italiens vom 19. 3. ergab.

   Wenn wir einfachheitshalber annehmen, alle Männer und Frauen seien verheiratet, dann hat das Virus zum damaligen Zeitpunkt 1259 Italienerinnen zu Witwen gemacht – Tendenz steigend, wie die Folgetage zeigten. Eine Entwicklung, wie man sie bisher nur aus Kriegstagen kennt.

 

Venetien zeigt, wie es geht

Venetiens Gouverneur Luca Zaia (Lega) hat eine zweite Phase des Kampfs gegen das Coronavirus eingeleitet. Das erfolgreiche Beispiel Südkoreas kopierend will er die versteckten, unbekannten Kranken (angeblich zwei Drittel der Gesamtzahl) auffinden, weil man die Seuche nur bekämpfen könne, wenn man weiss, wen sie infiziert hat.

Zwei Stossrichtungen soll die Kampagne zeigen: zum einen Kontrollen von Passanten auf den Strassen, die ambulant getestet werden, so sie das erlauben. Die andere Richtung bedeutet das umfassende testen aller besonders gefährdeten Berufsgruppen:

Test alla popolazione, per strada e su base volontaria, con un kit anticorpale, per individuare chi ha avuto il virus in forma asintomatica e lo ha superato. La seconda: una "campagna parallela", mirata e di massa, sotto il diretto controllo del microbiologo Andrea Crisanti (lo stesso che ha proposto la campionatura di tutti gli abitanti di Vo'), per sottoporre all'esame del tampone le categorie più a contatto con il pubblico quali i 54 mila operatori sanitari veneti, le forze dell'ordine, i dipendenti di supermercati, autisti di autobus, assistenti nelle case di riposo. L'obiettivo, dicono dalla Regione Veneto, è di arrivare entro la settimana a un regime di 13.000 test al giorno.

1. Die Bevölkerung auf der Straße und auf freiwilliger Basis mit einem Antikörper-Kit testen, um festzustellen, wer das Virus in asymptomatischer Form aufwies und es weitergegeben hat.

2. Die zweite: eine "parallele Kampagne", gezielt und massenhaft, unter der direkten Kontrolle des Mikrobiologen Andrea Crisanti (derselbe, der den Test aller Einwohner von Vo' vorschlug), um die Kategorien, die am meisten mit der Öffentlichkeit in Kontakt stehen, dem Test zu unterziehen, wie z.B. die 54 000 Sanitätsarbeiter in Venetien, die Strafverfolgungsbehörden, die Angestellten der Supermärkte, die Busfahrer, die Assistenten in den Pflegeheimen. Das Ziel, so die Region Venetien, sei es, innerhalb einer Woche eine Norm von 13.000 Tests pro Tag zu erreichen.

(Das Dorf Vo' war Venetiens erster und schlimmster Infektionsherd, der dank umfassenden Testens erfolgreich behandelt werden konnte)

 

Update

Eine Privatfirma wertete die Daten von Smartphones der venetischen Bevölkerung aus und kam zu dem Ergebnis:

Ancora oggi dopo decreti, ordinanze, circolari  nazionali e locali ogni giorno in Veneto si spostano  più di tre milioni di persone, esattamente 3,228.397. Venti giorni fa però erano quasi il doppio.

Auch heute noch, nach Dekreten, Verordnungen, nationalen und lokalen Rundschreiben, bewegen sich täglich mehr als drei Millionen Menschen im Veneto, genau 3.228.397. Vor zwanzig Tagen waren es jedoch fast doppelt so viele.

 Gouverneur Zaia ist zufrieden: meine Massnahmen wirken.

 

Update II

Nach Jahrzehnten des vergeblichen Kampfes hat Italien endlich ein durchschlagendes Mittel gegen die Kriminalität gefunden: den Virus-Lockdown.

Zwischen dem 1. und 22. März lag die Einbruchs-Kriminalität in Italien laut Polizeibericht um 75 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Nur die Apotheken-Einbrüche gingen nicht zurück. Die Rauschgiftdelikte immerhin um 46 Prozent.

 

Update III

Ein Italien ohne Virus

Non si è registrato un solo caso di positività al Covid-19 in tutta la Costa d’Amalfi, da quando è scoppiata l’epidemia. Da Cetara a Positano, il tratto sembra essere “immune”, a differenza della vicina Penisola sorrentina dove si sono registrati una quindicina di casi. Ma qual è la ricetta adottata per proteggersi? Il Corriere della Sera la racconta.

Più della immunità di gregge, in Costiera amalfitana si applica quella del pastore: sorveglianza al limite della ossessione, strade sbarrate come in guerra e gli oltre 150 residenti rientrati dall’estero o dal Nord Italia prelevati alle stazioni ferroviarie e agli aeroporti e condotti «coattivamente» in abitazioni separate da quelle dei familiari.

Seit dem Ausbruch der Epidemie wurde an der gesamten Amalfiküste kein einziger Fall von Covid-19 verzeichnet. Von Cetara bis Positano scheint die Küste "immun" zu sein, im Gegensatz zur nahe gelegenen Halbinsel von Sorrent, wo etwa fünfzehn Fälle registriert wurden. Aber welches Rezept wird angewendet, um sich zu schützen? Der Corriere della Sera sagt:

Mehr als die Immunität der Herde gilt an der Amalfiküste die Immunität des Hirten: Überwachung am Rande der Besessenheit, Straßensperren wie im Krieg und die mehr als 150 aus dem Ausland oder aus Norditalien zurückgekehrten Bewohner, die von Bahnhöfen und Flughäfen abgeholt und in von ihren Familien getrennte Häuser "gezwungen" werden.

 

Update IV

Die Lombardei in Quarantäne?.

In einem Leitartikel fordert Carlo Verdelli in der Zeitung La Repubblica Quarantäne für die gesamte Lombardei, weil die bisherigen Verhaltensregeln nicht funktionieren. Noch sei es nicht zu spät:

Nell'industriosa Lombardia circolano ancora, quotidianamente, centinaia di migliaia di lavoratori, soltanto in parte legati all'indispensabile filiera che garantisce alimentari, sistema sanitario e farmacie. Sono donne e uomini che escono di casa, raggiungono la fabbrica o il magazzino o l'officina con mezzi pubblici o propri, si offrono a infinite possibilità di contagio.

Hunderttausende von Arbeitern sind immer noch täglich in der arbeitsamen Region Lombardei im Einsatz und nur teilweise für jene unverzichtbaren Versorgung tätig, die Nahrung, Gesundheitsversorgung und Apotheken garantiert. Es sind Frauen und Männer, die ihr Zuhause verlassen, die Fabrik, das Lager oder die Werkstatt mit öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln erreichen und sich dabei unendlichen Ansteckungsmöglichkeiten aussetzen.

Fatte salve le attività strettamente necessarie, andrebbe con responsabilità, e anche con urgenza, valutata l'ipotesi di chiudere in modo drastico l'intera Lombardia per due settimane...alvare la Lombardia per salvare l'Italia

Mit Ausnahme unbedingt notwendiger Tätigkeiten sollte man verantwortungsbewusst und dringend die Möglichkeit einer drastischen Schließung der gesamten Lombardei für zwei Wochen in Betracht ziehen.... Die Lombardei retten, um Italien zu retten !