Wohin man auch schaut: die Medien sind voll von Ankündigungen, Vermutungen und Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Seuchen-bedingten Einschränkungen. Nicht nur Hinz und Kunz spekulieren, dass das Ungemach bald enden wird. Nicht nur Geistesgrössen wie Donald Trump sehen ein Kerzenlicht im Dunkel des Tunnels. Dänemark, Norwegen, Tschechien und Österreich wollen dem Volk ein klein wenig von der Freiheit zurückgeben, die es nach zwei, drei Wochen Einschränkungen so sehr vermisst.
Verständlich. Die Europäer sind das harte Zupacken des Obrigkeitsstaats nicht gewohnt, das in Asien ohne Diskussion akzeptiert wird. Wenn sie schon drangsaliert werden, wollen die Europäer wenigstens eine exit strategy, ein Ende der Fahnenstange sehen. Die Politiker und die Medien befleissigen sich derzeit, das Ende herbeizureden.
Nicht nur Politiker und Journalisten machen sich damit Liebkind – auch die deutschen Wirtschaftsforschungs-Institute. In ihrem Frühjahrsgutachten blasen in dieses Horn. Sie erwarten eine Besserung der Wirtschaftslage im Herbst, und sogar ein kräftiges Wachstum von über 5 Prozent im kommenden Jahr.
Respekt! Die gelehrten Ökonomen teilen mit Donald Trump die Fähigkeit, mehr über die Zukunft zu wissen als die Fachleute – die Epidemiologen, die Virologen.
Bislang ist nur bekannt, dass die Beschränkungen zur Eindämmung der Epidemie erst aufgehoben werden können, wenn entweder
– keine Infizierten mehr frei herumlaufen und anstecken, oder
– wenn so viele infiziert und kuriert sind, dass Herden-Immunität herrscht.
Jede Abweichung von dieser Regel kann nur bedeuten, dass man (die Regierung) Massenansteckungen und Todesfälle wissentlich und willentlich in Kauf nimmt. Noch zeigt sich keine Regierung dazu bereit, Aber der Druck der Wirtschaft ist enorm und Donald Trump (um nur ein Beispiel zu nennen) zeigt sich beeindruckt.
Dass der deutsche Wirtschaftsminister, Herr Peter Altmaier, ebenso wie die Ökonomen einen Aufschwung für das kommende Jahr erwartet, basiert nicht auf Kaffeesatz-Exegese oder der Kraft des Gebets. Nein, es liegen faktenbegründete Annahmen zugrunde: man vertraut darauf, dass der Einsatz des globalen Forschungspotentials der geschundenen Menschheit binnen weniger Monate entweder ein heilendes Medikament oder einen verträglichen Impfstoff in ausreichender Menge zu erschwinglichem Preis liefern wird.
Kein noch so tückisches Virus chinesischen Ursprungs kann der geballten Forschungsmacht der Welt-Wissenschaft länger als ein paar Monate widerstehen; das ist die Logik.
Aber können wir darauf vertrauen?
Bislang gibt es kein Land (ausser China?) in dem keine Infizierten mehr frei herumlaufen. Und wenn es wie Taiwan, Singapur oder Südkorea dieser Virusfreiheit sehr nahe käme, dann könnte zwar das Land selbst von den Auflagen weitgehend befreit werden, doch an der Grenze würde die Freiheit enden. Einreisende müssten wie bisher in Quarantäne und Ausreisende wären gefährdet, im Ausland angesteckt zu werden.
Von der oft zitierten Herdenimmunität sind alle Länder weit entfernt. Am stärksten durchseucht ist bislang Italien. Selbst wenn man mit den Forschern der Universität Göttingen annimmt, dass nur 3,9 Prozent der Ansteckungsfälle in Italien bekannt sind, dann beliefe sich derzeit die Gesamtzahl der Infizierten auf 2,7 Millionen. Nimmt man alle Infizierten plus der Geheilten und der Verstorbenen, so kommt man auf 3,9 Millionen von 62 Millionen Italienern. Nimmt man an, dass analog zu den Infizierten auch nur 3,9 Prozent der Genesenen (offiziell 94.000) bekannt sind, dann gäbe es in Italien jetzt 2,7 Millionen Genesene. Addiert man die derzeit Infizierten (in der Annahme, dass die meisten von ihnen geheilt werden) zu den Genesenen, so kommt man auf 5.4 Millionen, Damit ist das Land immer noch weit entfernt von einer Herden-Immunität, die 45 – 50 Millionen Immune – oder 3,5 Verdopplungen der jetzigen Anzahl Genesener-- erfordern würde,
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Europas Staaten und die USA, in denen die Infiziertenzahlen ja weiterhin steigen, meilenweit davon entfernt sind, entweder keine frei lebenden Infizierten aufzuweisen oder die Herden-Immunität erreicht zu haben. Mit anderen Worten: ohne wirksame medikamentöse Behandlung oder Massenimpfungen ist dem Virus nicht beizukommen. Was aber, wenn die Wissenschaft kein geeignetes Medikament, keinen Impfstoff findet? Oder wenn sie dazu mehr als ein Jahr braucht?
Man kann nur hoffen, dass der Optimismus der Herrn Altmaier und der Wirtschaftsexperten nicht enttäuscht wird. Wir brauchen jetzt eine starke Dosis Fortschrittsgläubigkeit, um in der Dunkelheit des Tunnels, in dem sich die Menschheit befindet, nicht zu verzweifeln.
Heinrich von Loesch
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Bislang galt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit den Folgen der Pandemie für die Beschäftigung, die Einkommen und die Wirtschaft im allgemeinen. Dass die enormen Schäden, die mittlerweile Milliarden Menschen betreffen, eine gemeinsame Ursache haben, wird selten angesprochen. Es ist der Rückgang der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, der weite Teile der Wirtschaft lähmt.
Was auch immer der Grund des Nachfragerückgangs – Coronavirus, pessimistische Erwartungen, oder auch nur Hysterie – sein mag, ihm steht spiegelbildlich Ersparnis gegenüber. Individuen oder Unternehmen konsumieren weniger, investieren weniger. Sie halten Kaufkraft zurück, aus drei möglichen Gründen:
– weil ihnen das erforderliche Einkommen fehlt (Arbeitslosigkeit, Illiquidität, Pleite)
– weil Ausgangssperren, Ansteckungsangst und Schliessung von Unternehmen und Einrichtungen sie daran hindern, Güter oder Leistungen nachzufragen
– weil Börsencrash und düstere Zukunftsperspektiven ihnen Sparsamkeit und Verzicht auf Investitionen und langfristige Engagements ratsam erscheinen lassen.
Das Ergebnis der Ausgangssperren und Schliessungen ist Zwangssparen. Der Konsument möchte nachfragen, darf oder kann aber nicht, zumindest in der realen Welt. Die digitale Welt bietet zwar Ersatz, aber nur teilweise und bedingt, denn Lieferschwierigkeiten treten dort auf, wo sich die digitale und die reale Welt verknüpfen.
Das Zwangsgesparte vergrössert die privaten Vermögen der behinderten Nachfrager, stürzt aber die Anbieter in tiefe Probleme. Die Politik sieht sich gefordert, den geschädigten und frustrierten Anbietern von Arbeit, Gütern oder Dienstleistungen zu helfen. Als Ergebnis greift die Politik tief in den Staatssäckel und schiebt öffentliche Gelder zu den geschädigten Personen und Unternehmen, teils auf Kredit, teils als Geschenk.
Das Ergebnis ist eine Umverteilung von öffentlichem zu privatem Vermögen. Was ursprünglich als Soforthilfe gedacht war, wandelt sich zur Struktur, ja länger und tiefer die Pandemie anhält. Der Staat ist gezwungen, Arbeitslose, Kleinunternehmer und Konzerne so lange zu subventionieren, bis die Krise endet oder die Schwelle zur Staatspleite erreicht ist.
Was das Verhältnis zwischen den Wirtschaftssubjekten und dem Staat kennzeichnet, gilt auch in der Beziehung zwischen Staaten, wenn sie politisch verbunden sind. Im Falle der Europäischen Union beispielsweise fordert die Politik, dass die zuerst von der Pandemie betroffenen Staaten von anderen subventioniert werden, denen die Pandemie erst später zusetzt. Dabei wird nicht bedacht, dass es möglich ist, dass die zuerst betroffenen Länder die Krise auch als erste verlassen und sich wirtschaftlich erholen werden, wenn sich andere Länder noch tief im Seuchenverlauf befinden. Werden die zuerst Genesenen dann den Verspäteten finanziell helfen?
Was die Umverteilung von staatlichem zu privatem Vermögen anlangt, ist damit zu rechnen, dass die Politik versuchen wird, die Entreicherung des Staats später zu korrigieren. Ein Teil der Kredite wird wohl später getilgt werden, doch der überwiegende Teil der Staatshilfen wird umso sicherer als verloren gelten müssen, je länger die Pandemie dauert und je tiefer sie die Wirtschaft schädigt. Bleiben nur drei Wege, den Staat wieder finanziell aufzurichten: Wachstum, Steuererhöhungen und Inflation.
Je länger die Krise dauert, desto sicherer wird der erzwungene Konsumverzicht dauerhaft in dem Sinne, dass aufgeschobener Verbrauch nicht nach Ende der Krise nachgeholt wird. Sicherlich wird es nach Ende der Krise einen kleinen Verbrauchsboom geben, aber die wieder erwachte Nachfrage wird die Anbieter immer unvollkommener für die Verluste entschädigen, je länger die Pandemie gedauert hat.
Möglicherweise wird sich ein weiterer Effekt einstellen: es ist denkbar, dass der erzwungene Konsumverzicht psychologische Folgen zeitigt. Verbraucher könnten Gefallen an dem frugalen Leben der Krisenzeit gefunden haben und ihren Konsum dauerhaft drosseln mit der Folge einer steigenden volkswirtschaftlichen Sparneigung. Das Streben nach Klimaschutz und ressourcenschonendem Lebensstil könnte in der Folge zu einer permanenten Nachfrage- und Wachstumsschwäche führen.
Heinrich von Loesch
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Sergio Romagnani, Professor der Immunologie an der Universität Florenz, erhob in einem Interview mit der Römer Zeitung Il Messagero schwere Vorwürfe gegen das Gesundheitssystem Italiens. Statt wie in Südkorea das medizinische Personal durchgehend zu testen, habe man sich auf Tests im Falle von Symptomen beschränkt:
”É stato sbagliato non eseguire più tamponi, in modo sistematico, tra i medici e infermieri. In non pochi casi hanno continuato a lavorare anche coloro che avevano avuto contatti con pazienti positivi, ma erano asintomatici. Così, abbiamo reparti anche non in prima linea, in cui il coronavirus è circolato e sta continuando a circolare”.
"Es war falsch, nicht systematisch mehr Tests bei Ärzten und Krankenschwestern durchzuführen. In vielen Fällen arbeiteten sogar diejenigen, die Kontakt mit positiven Patienten hatten, weiter, waren aber asymptomatisch. Wir haben also Stationen (in den Krankenhäusern), die nicht einmal direkt mit dem Virus befasst sind, wo das Coronavirus zirkulierte und weiter zirkuliert".
Dadurch sind die Krankenhäuser zu Virenschleudern ( Beispiel: Alzano Lombardo) geworden. Potentielle Patienten, die das ahnen, bleiben lieber daheim, stecken die Familie an und sterben nie untersucht, nie als Coronafall gemeldet. Schwere Vorwürfe, die – wenn sie sich in den nächsten Tagen als berechtigt herausstellen sollten – nicht nur einen Skandal darstellen, sondern eine Tragödie für Italien und mit ihm für alle Bewohner Europas bedeuten würden.
Sollten die Quarantäne-Massnahmen Italiens in den nächsten Tagen nicht greifen, dann haben wir ein Problem, sagt Romagnani mit gewählt vorsichtigen Worten:
“I contagiati che vediamo oggi hanno avuto contatti con positivi probabilmente 10-12 giorni fa, dunque gli effetti del lockdown scattato, all’inizio della settimana scorsa, dovremmo cominciare a vederli nei prossimi giorni. Se non li vedremo, dovremo preoccuparci, sarà un guaio”.
Die Infizierten, die wir heute sehen, hatten wahrscheinlich vor 10-12 Tagen Kontakt mit Viruspositiven, so dass wir die Auswirkungen der Kontaktsperre, die Anfang letzter Woche eingeführt wurde, in den kommenden Tagen zu sehen beginnen sollten. Wenn wir sie nicht sehen, müssen wir uns Sorgen machen, es wird ein Problem geben.
P.S.
Nicht nur in Alzano Lombardo waren Ärzte Vektoren der Seuche. Auch in Berlin gefährdete ein Arzt die Bundeskanzlerin. Tragische Umstände oder unglaubliche Schlamperei ?
Update
Der Witwenmacher
In Italien sterben Männer im Alter zwischen 60 und 89 Jahren viel häufiger als Frauen, genau gesagt 2,7 Mal so oft, wie die Statistik der Obersten Gesundheitsbehörde Italiens vom 19. 3. ergab.
Wenn wir einfachheitshalber annehmen, alle Männer und Frauen seien verheiratet, dann hat das Virus zum damaligen Zeitpunkt 1259 Italienerinnen zu Witwen gemacht – Tendenz steigend, wie die Folgetage zeigten. Eine Entwicklung, wie man sie bisher nur aus Kriegstagen kennt.
Venetien zeigt, wie es geht
Venetiens Gouverneur Luca Zaia (Lega) hat eine zweite Phase des Kampfs gegen das Coronavirus eingeleitet. Das erfolgreiche Beispiel Südkoreas kopierend will er die versteckten, unbekannten Kranken (angeblich zwei Drittel der Gesamtzahl) auffinden, weil man die Seuche nur bekämpfen könne, wenn man weiss, wen sie infiziert hat.
Zwei Stossrichtungen soll die Kampagne zeigen: zum einen Kontrollen von Passanten auf den Strassen, die ambulant getestet werden, so sie das erlauben. Die andere Richtung bedeutet das umfassende testen aller besonders gefährdeten Berufsgruppen:
Test alla popolazione, per strada e su base volontaria, con un kit anticorpale, per individuare chi ha avuto il virus in forma asintomatica e lo ha superato. La seconda: una "campagna parallela", mirata e di massa, sotto il diretto controllo del microbiologo Andrea Crisanti (lo stesso che ha proposto la campionatura di tutti gli abitanti di Vo'), per sottoporre all'esame del tampone le categorie più a contatto con il pubblico quali i 54 mila operatori sanitari veneti, le forze dell'ordine, i dipendenti di supermercati, autisti di autobus, assistenti nelle case di riposo. L'obiettivo, dicono dalla Regione Veneto, è di arrivare entro la settimana a un regime di 13.000 test al giorno.
1. Die Bevölkerung auf der Straße und auf freiwilliger Basis mit einem Antikörper-Kit testen, um festzustellen, wer das Virus in asymptomatischer Form aufwies und es weitergegeben hat.
2. Die zweite: eine "parallele Kampagne", gezielt und massenhaft, unter der direkten Kontrolle des Mikrobiologen Andrea Crisanti (derselbe, der den Test aller Einwohner von Vo' vorschlug), um die Kategorien, die am meisten mit der Öffentlichkeit in Kontakt stehen, dem Test zu unterziehen, wie z.B. die 54 000 Sanitätsarbeiter in Venetien, die Strafverfolgungsbehörden, die Angestellten der Supermärkte, die Busfahrer, die Assistenten in den Pflegeheimen. Das Ziel, so die Region Venetien, sei es, innerhalb einer Woche eine Norm von 13.000 Tests pro Tag zu erreichen.
(Das Dorf Vo' war Venetiens erster und schlimmster Infektionsherd, der dank umfassenden Testens erfolgreich behandelt werden konnte)
Update
Eine Privatfirma wertete die Daten von Smartphones der venetischen Bevölkerung aus und kam zu dem Ergebnis:
Ancora oggi dopo decreti, ordinanze, circolari nazionali e locali ogni giorno in Veneto si spostano più di tre milioni di persone, esattamente 3,228.397. Venti giorni fa però erano quasi il doppio.
Auch heute noch, nach Dekreten, Verordnungen, nationalen und lokalen Rundschreiben, bewegen sich täglich mehr als drei Millionen Menschen im Veneto, genau 3.228.397. Vor zwanzig Tagen waren es jedoch fast doppelt so viele.
Gouverneur Zaia ist zufrieden: meine Massnahmen wirken.
Update II
Nach Jahrzehnten des vergeblichen Kampfes hat Italien endlich ein durchschlagendes Mittel gegen die Kriminalität gefunden: den Virus-Lockdown.
Zwischen dem 1. und 22. März lag die Einbruchs-Kriminalität in Italien laut Polizeibericht um 75 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Nur die Apotheken-Einbrüche gingen nicht zurück. Die Rauschgiftdelikte immerhin um 46 Prozent.
Non si è registrato un solo caso di positività al Covid-19 in tutta la Costa d’Amalfi, da quando è scoppiata l’epidemia. Da Cetara a Positano, il tratto sembra essere “immune”, a differenza della vicina Penisola sorrentina dove si sono registrati una quindicina di casi. Ma qual è la ricetta adottata per proteggersi? Il Corriere della Sera la racconta.
Più della immunità di gregge, in Costiera amalfitana si applica quella del pastore: sorveglianza al limite della ossessione, strade sbarrate come in guerra e gli oltre 150 residenti rientrati dall’estero o dal Nord Italia prelevati alle stazioni ferroviarie e agli aeroporti e condotti «coattivamente» in abitazioni separate da quelle dei familiari.
Seit dem Ausbruch der Epidemie wurde an der gesamten Amalfiküste kein einziger Fall von Covid-19 verzeichnet. Von Cetara bis Positano scheint die Küste "immun" zu sein, im Gegensatz zur nahe gelegenen Halbinsel von Sorrent, wo etwa fünfzehn Fälle registriert wurden. Aber welches Rezept wird angewendet, um sich zu schützen? Der Corriere della Sera sagt:
Mehr als die Immunität der Herde gilt an der Amalfiküste die Immunität des Hirten: Überwachung am Rande der Besessenheit, Straßensperren wie im Krieg und die mehr als 150 aus dem Ausland oder aus Norditalien zurückgekehrten Bewohner, die von Bahnhöfen und Flughäfen abgeholt und in von ihren Familien getrennte Häuser "gezwungen" werden.
In einem Leitartikel fordert Carlo Verdelli in der Zeitung La Repubblica Quarantäne für die gesamte Lombardei, weil die bisherigen Verhaltensregeln nicht funktionieren. Noch sei es nicht zu spät:
Nell'industriosa Lombardia circolano ancora, quotidianamente, centinaia di migliaia di lavoratori, soltanto in parte legati all'indispensabile filiera che garantisce alimentari, sistema sanitario e farmacie. Sono donne e uomini che escono di casa, raggiungono la fabbrica o il magazzino o l'officina con mezzi pubblici o propri, si offrono a infinite possibilità di contagio.
Hunderttausende von Arbeitern sind immer noch täglich in der arbeitsamen Region Lombardei im Einsatz und nur teilweise für jene unverzichtbaren Versorgung tätig, die Nahrung, Gesundheitsversorgung und Apotheken garantiert. Es sind Frauen und Männer, die ihr Zuhause verlassen, die Fabrik, das Lager oder die Werkstatt mit öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln erreichen und sich dabei unendlichen Ansteckungsmöglichkeiten aussetzen.
Fatte salve le attività strettamente necessarie, andrebbe con responsabilità, e anche con urgenza, valutata l'ipotesi di chiudere in modo drastico l'intera Lombardia per due settimane...alvare la Lombardia per salvare l'Italia
Mit Ausnahme unbedingt notwendiger Tätigkeiten sollte man verantwortungsbewusst und dringend die Möglichkeit einer drastischen Schließung der gesamten Lombardei für zwei Wochen in Betracht ziehen.... Die Lombardei retten, um Italien zu retten !
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Das Vertrauen ist verloren. Seit 1945 hatte sich zumindest in Europa schrittweise Vertrauen entwickelt, dass das Leben ein weitgehend freies, friedliches Kontinuum sei. Ein morgen, ein übermorgen, das eine Fortsetzung des heute, des gestern sein werde mit Freude und Leid, mit Arbeit, Vergnügen und Sport.
Sollte es gelingen, das Virus zu überwinden oder sollte es harmlos werden und verschwinden: sein nachhaltigstes Opfer wird das Grundvertrauen sein.
Wie soll man langristig planen, Kinder haben, sich für eine Investition verschulden, wenn das Vertrauen in die Zukunft fehlt? Menschen, die gestern noch froh in die Zukunft blickten, sind plötzlich Krankheit, Tod und Armut oder Ruin ausgeliefert. Wie jemand, der entsdeckt, dass er sein Haus in einem Erdbebengebiet, an einer Tsunamiküste gebaut hat.
Lauert nicht in China bereits ein neues Virus, ein anderes, vielleicht noch schrecklicheres? Und was für mögliche neue Bedrohungen brütet die Übervölkerung in Südasien, in Afrika aus?
Probleme, die bislang wie Ebola lokal begrenzt werden konnten, breiten sich über den Globus aus und verleiten die Regierungen in dümmlichem Egoismus dazu, das in Jahrzehnten errichtete Puzzle der Weltgemeinschaft, der Weltwirtschaft und des Weltverkehrs in tausend Teile zu zerbrechen. Wo Provinz A sich gegen Provinz B abriegelt und Prozinz B der Provinz A Atemmasken und die Testproben stiehlt.
Natürlich wird man nach überstandener Pandemie das Gesundheitswesen besser für künftige Epidemien wappnen. Natürlich wird die Versicherungswirtschaft begeistert Policen für Unternehmen und Personen gegen Schaden durch Epidemien anbieten. Doch das werden Palliative sein, die das verlorene Vertrauen nicht ersetzen können.
Wie es weitergehen wird, weiss niemand. Sicher scheint nur, dass die neue Zukunft weniger unbeschwert und zukunftsfroh als die alte sein wird. Vielleicht hat Greta recht, dass dies dem Kampf zur Rettung des Klimas ein breiteres Bewusstseins-Fundament verleihen könnte.
Womit sich die Pandemie nachträglich als ein Segen erweisen würde.
Heinrich von Loesch
Update
Unter den vielen möglichen Opfern der Pandemie erwähnt Gian Carlo Blangiardo, der Präsident des italienischen Statistikamtes ISTAT, ein besonderes: er erwartet für die Geburtenziffern einen starken Rückgang, wie er letztmalig nach der Chernobyl-Katastrophe zu verzeichnen war.
Europas Bereitschaft, sich fortzupflanzen, ist ohnehin schwach ausgeprägt. Italiens Bevölkerung würde schrumpfen, wenn nicht Einwanderung die Lücken füllte. In anderen Ländern Europas sieht es nicht viel besser aus. Klimasorgen und Umweltverschmutzung beeinträchtigen ohnehin das Vertrauen in die Zukunft; ein weiterer Verlust des Grundvertrauens durch die Pandemie dürfte voll in die Demographie durchschlagen.
„In Einzelfällen werden nur noch Patienten mit Überlebenschancen beatmet“(11. 3.)
Official guidance to doctors in Italy, seen by The Independent,, have said only patients “deemed worthy of intensive care” should get it and decisions based on a “distributive justice” approach balancing the demand for care versus available resources.
Laut dem Robert Koch-Institut sind 10 bis 15 Prozent der Erkrankungen mit dem COVIT-19 Coronavirus schwere Fälle und erfordern stationäre Behandlung.
Falls sich das Virus, wie generell erwartet wird, pandemisch ausbreitet, die gesamte Bevölkerung infiziert und sich dauerhaft etabliert, dann müssten demnach 8 bis 12 Millionen Deutsche stationär behandelt werden.
Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn glaubt, es stünden in Deutschland 30.000 Betten in Isolierstationen zur Verfügung.
30.000 für 8-12 Millionen?
In Grossbritannien spricht man über die Notwendigkeit, unter den die Hausärzte und Krankenhäuser aufsuchenden Patienten eine Auswahl zu treffen.
Triage heisst das bei Epidemien und in Nothilfeaufnahmen übliche Verfahren, bei beschränkter Kapazität die “wichtigsten”oder "dringendsten" unter den angebotenen Patienten auszusuchen und den “weniger wichtigen” Rest zu vertrösten oder abzuweisen.
Unangenehmerweise gibt es für Triage (Begriff aus dem Französischen) keine anerkannten, zu befolgenden Regeln, auf die sich Krankenhäuser berufen könnten. Was werden die abgewiesenen Patienten tun? Werden sie das Krankenhaus verzweifelt belagern, wie in Wuhan geschehen, oder gar Selbstmord begehen? Oder werden sie versuchen, wie eine Zombie-Armee mit Gewalt das Krankenhaus zu stürmen?
Erschreckende Perspektiven.
In Italien, von den Alpen bis zur Südküste Siziliens stellen die Krankenhäuser in diesen Tagen sogenannte "Triage-Zelte" auf. Sinn der Zelte ist es, die hilfesuchenden potentiellen Patienten am Ansturm auf die Nothilfestationen zu hindern. Im Zelt sollen sie Rat und erste Diagnose erhalten. Das ist schwierig, denn knapp die Hälfte der am Virus Erkrankten ist asymptomatisch: zeigt noch keine Symptome, ist aber ansteckend.
Wie würde Triage in Deutschland aussehen? Zunächst würden wohl Kinder unter 10 Jahren und Jugendliche nachhause geschickt, denn in den unteren Alterskohorten gilt das Virus als ungefährlich. Den über 65-Jährigen und den bereits mit einer Vorkrankheit Belasteten würde man wahrscheinlich die stationäre Behandlung wegen ihrer kurzen Lebenserwartung und niedrigen Heilungschancen verweigern um die begrenzte Kapazität Jenen zu gewähren, die schnelle Heilung und lange Restlebenszeit versprechen.
Soweit die Theorie. Aber in der deutschen Praxis dürfte Triage anders aussehen. Krankenhäuser sind keine Wohlfahrtsanstalten sondern Erwerbsbetriebe in der einen oder anderen Form. Das heisst: bei der Triage würden wie so häufig Privatpatienten vor dem Gros der Kassenpatienten bevorzugt werden. Würde ein privat zahlender Greis einer jungen Kassen-Alleinerziehenden vorgezogen werden?
Eins ist jedenfalls sicher: will man die nach Abzug aller harmloseren Fälle übrig bleibenden Millionen Deutsche, die als schwere Fälle gelten müssen, versorgen, dann kann nur ein Faktor helfen: Zeit.
Je langsamer die Epidemie verläuft, desto eher wird das (von Infektionen stark dezimierte) Krankenhauspersonal angesichts der geringen Bettenzahl fähig sein, den Ansturm der Verzweifelten ohne allzu grausame Triage zu bewältigen.
China und Italien versuchen derzeit, durch Entwarnung und teilweise Wiederöffnung der Schulen und Arbeitsstätten die Volksmassen zu beruhigen, die sie zuerst durch rabiate Methoden und grossflächige Verbote in die Seuchenpsychose gejagt hatten. Ruhe und Zeit gewinnen, das ist die Losung der Gegenwart. Zeit ist das wertvollste Gut.
"This represents a new phase of the outbreak, Kim argues, and authorities must adapt their response to it. At first they were focused on tracking suspected cases and quarantining them. But, Kim says, "at this point, tracing how the infection spread is meaningless." Tracing takes up too many resources, he says. He adds that the city doesn't have enough epidemiological investigators and that the virus is so widespread that investigators can no longer sort out who infected whom in Daegu.
Kim Hyeonggab, president of the Korean Association of Public Health Doctors and a medical volunteer in Daegu, says he's seeing a shift in tactics from health authorities from trying to contain and trace the virus to trying to mitigate its impact and prevent deaths. This has been done nationwide and involves a range of actions, from canceling schools to calling off K-pop concerts.
Since last Saturday, I've seen government efforts shift to securing more hospital beds and building a triaging system," says Kim — prioritizing patients with severe symptoms at health facilities."
The coronavirus epidemic in the UK will last until next spring and could lead to 7.9 million people being hospitalised, a secret Public Health England (PHE) briefing for senior NHS officials reveals.
The document, seen by the Guardian, is the first time health chiefs tackling the virus have admitted that they expect it to circulate for another 12 months and lead to huge extra strain on an already overstretched NHS.
It also suggests that health chiefs are braced for as many as 80% of Britons becoming infected with the coronavirus over that time.
Alzano Lombardo ist eine Ortschaft mit etwa 14.000 Einwohnern. Ein später verstorbener Patient hat das Corona-Virus in die Nothilfestation des lokalen Krankenhauses gebracht. Ärzte und Personal steckten sich an, und mit ihnen die Bevölkerung. Schon am 23. Februar wollte der Bürgermeister den ganzen Ort vorsorglich in Quarantäne schicken. Doch ein Ukas des Innenministeriums in Rom verbat Bürgermeistern, individuelle Entscheidungen zu treffen. Also wurde in Alzano gestorben, jeden Tag mehr
Wer Italien kennt, weiss was passiert ist. Die Nothilfestation, der Pronto Soccorso, ist eine italienische Institution wie der Espresso und das Rubbellos. Wenn immer man ein gesundheitliches Problem hat, geht man lieber zum Pronto Soccorso als zum Arzt, denn die erste Hilfe ist in der Regel schnell, kompetent und gratis.
Kein Wunder, dass der Pronto Soccorso von Alzano zur Virenschleuder mutierte. Die Lage mit dem tückischen Corona-Virus erinnert an die Pestzeiten noch im 18. Jahrhundert, als ein Besuch im Hospital als beste Chance galt, sich den Schwarzen Tod zu holen. Wer die Ansteckung mit dem Virus vermeiden will, bleibt Krankenhäusern und Arztpraxen möglichst fern. Aber das wussten die armen Lombarden von Alzano nicht.
“Non è giusto che papà sia morto così. Muoiono tutti come dei cani, come dei porci. Ancora oggi la gente dice che erano vecchi, erano malati: era mio padre c***o, non era vecchio e non era malato. Vaff*****o”. È questo lo sfogo di Roberta Zaninoni, figlia di Giuseppe, morto ad Alzano Lombardo (Bergamo) e risultato positivo al Coronavirus.
“Faccio più di 10 condoglianze al giorno ad amici e conoscenti su Facebook e le pompe funebri sono costrette ad ammassare le bare nelle chiese, come se i corpi fossero numeri. Per mio papà dovremo aspettare almeno tre settimane”, prosegue la donna.
"Es ist nicht fair, dass Papa so gestorben ist. Sie alle sterben wie Hunde, wie Schweine. Auch heute noch sagen die Leute, sie seien alt, sie seien krank. Er war mein .... Vater, er war nicht alt und er war nicht krank.". Dies ist der Wutausbruch von Roberta Zaninoni, der Tochter von Giuseppe, der in Alzano Lombardo (Bergamo) starb und positiv auf das Coronavirus getestet wurde.
"Ich spreche Freunden und Bekannten auf Facebook mehr als 10 Beileide pro Tag aus, und die Bestatter sind gezwungen, Särge in Kirchen zu stapeln, als wären die Leichen Nummern. Wir werden mindestens drei Wochen auf meinen Vater warten müssen", fährt die Frau fort.
Update IV
Scientists tracking the spread of the coronavirus reported on Monday that, for every confirmed case, there are most likely another five to 10 people in the community with undetected infections. These often-milder cases are, on average, about half as infectious as confirmed ones, but are responsible for nearly 80 percent of new cases, according to the report, which was based on data from China. (New York Times).
Update V
Der Bürgermeister von Bergamo, Giorgio Gori, sagt in einem Interview mit Huffpost:
In questa provincia il numero dei decessi a causa del virus è di gran lunga superiore a quello delle statistiche ufficiali. Molti malati anziani muoiono di polmonite a casa loro, o nelle case di riposo, senza che nessuno abbia fatto loro un tampone, né prima né dopo il decesso. Ho chiamato una dozzina di sindaci, per farmi un’idea: in quei comuni il numero dei decessi attribuibili all’epidemia è all’incirca quattro volte quello ufficiale.
In dieser Provinz ist die Zahl der durch das Virus verursachten Todesfälle viel höher als die offizielle Statistik. Viele ältere Patienten sterben zu Hause oder in Altersheimen an Lungenentzündung, ohne dass jemand vor oder nach dem Tod einen Abstrich gemacht hat. Ich habe ein Dutzend Bürgermeister angerufen, um mir eine Vorstellung davon zu geben: In diesen Gemeinden ist die Zahl der Todesfälle, die auf die Epidemie zurückzuführen sind, etwa viermal so hoch wie die offizielle Zahl.
Update VI
“Unfortunately we can’t contain the situation in Lombardy. There’s a high level of contagion and we’re not even counting the dead any more,” she (hospital nurse Daniela Confalonieri) said..
Leider können wir die Lage in der Lombardei nicht unter Kontrolle bringen. Der Umfang der Ansteckungen ist groß, und wir zählen nicht einmal mehr die Toten", sagte sie (Krankenhausschwester Daniela Confalonieri).
Update VII
«The real death toll for Covid-19 is at least 4 times the official numbers»
Nembro, one of the municipalities most affected by Covid-19, should have had - under normal conditions - about 35 deaths. 158 people were registered dead this year by the municipal offices. But the number of deaths officially attributed to the virus is 31.
Une entreprise bretonne, la société NG Biotech, lance un test de diagnostic rapide du coronavirus. En quelques minutes, il analyse une goutte de sang. Pour savoir si on a été contaminé dans le passé par le coronavirus, même sans présenter de symptômes, il existe une solution ; le test sérologique. En effet, les tests actuels réalisés avec un écouvillon dans le nez peuvent seulement faire état d’une contamination sur le moment. Grâce à une goutte de sang, le test sérologique permet lui de détecter les anticorps développés si le patient a été en contact avec le virus.
Eine bretonische Firma, NG Biotech, hat einen Schnelldiagnosetest für Coronaviren entwickelt. In wenigen Minuten wird ein Tropfen Blut analysiert. Um herauszufinden, ob man in der Vergangenheit mit dem Coronavirus kontaminiert wurde, auch wenn man keine Symptome zeigt, gibt es eine Lösung: den serologischen Test. Die derzeit durchgeführten Tests mit einem Abstrich in der Nase können nur Infektionen zu diesem Zeitpunkt nachweisen. Mit einem Tropfen Blut kann der serologische Test Antikörper nachweisen, die sich entwickeln, wenn der Patient mit dem Virus in Kontakt gekommen ist.
The Food and Drug Administration has approved a coronavirus testing kit from Bodysphere, one that can detect antibodies related to the virus in only two minutes. The test will be deployed in states around the country, enabling healthcare facilities to test for signs that the patient had contracted the virus at some point. The testing kit is only intended for use by medical professionals, however.
Update IX
So geht es auch...vielleicht Brief aus einem zentralamerikanischen Land
Hier haben die Leute keine Lust mehr auf Corona-Vorsichtsmaßnahmen: Ärzte behandeln Corona- Patienten ohne Schutzkleidung und für das sonstige Personal gibt es auch keine. Die Menschen sind draußen unterwegs, feiern Partys und halten kaum noch Abstand. Dennoch steigt die Zahl der Neuerkrankungen (offiziell) nur langsam. Schwere Fälle und Tote gibt es nur wenige.... Die Einheimischen sind der festen Meinung, dass nach Ostern die Sonderregelungen außer Kraft gesetzt werden. Wir hoffen also darauf, dass wir nur die leichte Corona-Variante bekommen, dass es wenige/keine Todesfälle geben wird und dass die Variante mit dem “Schutzwall“ klappt...
Ein Hauptgrund, warum SF mit seiner Viruskampagne so viel besser als NY abschneidet dürfte sein, dass SF kein öffentliches Massenverkehrsmittel besitzt, während das New Yorker Massen-Transportwesen Ansteckungen enorm fördert.