Der Juni 1945 war erbarmungslos heiss im Mühlviertel Oberösterreichs. Zwar brachte das Wetter dieses Jahres hervorragende Weine, aber auch unglaubliches Leid. Bei Temperaturen an die 40 Grad im Schatten marschierten tausende deutsche Gefangene von Linz über Gallneukirchen und Freistadt in Richtung Budweis und Sibirien. Deutsche Gefangene, von den Amerikanern bei Pregarten den Sowjets übergeben. Eine endlose Schlange Männer, alle hundert Meter ein anerikanischer Panzer. Wenn einer in der gnadenlosen Sonne kollabierte und in den Strassengraben fiel, hielt das amerikanische MG darauf, tactactac, tot.

   Nördlich von Wartberg kampierten die Gefangenen für die Nacht. Die Sowjets zeigten ein wenig Menschlichkeit: sie verteilten Bonbons. Als die Gefangenen am Morgen weiter Richtung Freistadt marschierten, blieben auf dem Lagerplatz ein paar Tote zurück und Gepäck, das die Gefangenen nicht mehr tragen konnten. Wenn die Kolonne die Dörfer passierte, standen die Dörfler am Strassenrand und spendeten Wasser und Obst.

   Nie schien das Land trauriger, hoffnungslosiger als in diesem Juni, als es nach Blutbad, Zerstörung und Kapitulation seine restlichen Männer in Richtung Tod und Zwangsarbeit marschieren sah.

Heinrich von Loesch