Es gibt laut Pew Research 5,760,999 Moslems in Frankreich, oder 8.8% der Bevölkerung. Jeder Elfte fühlt sich betroffen, wenn Präsident Emmanuel Macron die Mohammed-Karikaturen verteidigt und dem islamischen Terror den Kampf ansagt. Denn es ist nicht irgendein Terror, von links, von rechts, von Anarchisten, Basken oder Korsen, es ist ganz spezifisch Terror einer religiosen Gemeinschaft, der alle Moslems angehören und in deren Namen das Unsägliche geschieht.

   Für alle Moslems bedeuten die Karikaturen des Propheten Blasphemie, weil Mohammed für sie das Äquivalent zu Jesus für die Christen darstellt, nämlich eine Gottheit. Nicht Gottes Sohn, sondern Gottes Mund. Durch ihn hat Gott den Koran offenbart, das Gesetz für alle Menschen und alle Zeiten.

   Ich hatte unlängst das Privileg, dem Gebet frommer Kunsthändler von der Kurdensippe Miri in Berlin beizuwohnen. Nach dem Gebet entspann sich ein Gespräch uber den Koran als Quelle des Wissens im Vergleich zur modernen Wissenschaft. Alles Wissenswerte findet sich im Koran, wenn man nur gründlich genug liest, hörte ich. Dass es Vorläufertexte des Koran in Syrien gab, auf die sich Mohammed stützte – unbekannt. Es kann keine Vorläufer für Gottes Wort gegeben haben, wie es Mohammed verkündete.

   Dass Gottes Sprachrohr nicht karikiert werden darf, sollte ein gutwilliger Nicht-Moslem verstehen. meint man. Doch es geschah, und jeder elfte Bewohner Frankreichs könnte sich betroffen gefühlt haben, Von Trauer über die Instinktlosigkeit der nicht-moslemischen Mitmenschen über Zorn bis zu Hass dürfte die Spannweite der Reaktionen gereicht haben. Hass provoziert Terror, vor allem bei einer so gereizten, religiös überempfindlichen Minderheit wie den Moslems.

   Präsident Macron hat nun beschlossen, den islamistischen Terror gründlich zu bekänpfen. Dabei ähnelt er Xerxes, der das Meer peitschen liess, weil ein Sturm seine Brücke vernichtet hatte. Bei fast sechs Millionen Moslems gibt es nicht nur organisierte Islamisten, sondern ein unendliches Potential an einsamen Wölfen, die sich irgendwann berufen fühlen könnten, den Propheten zu rächen.

   Die Stimmung in Frankreich ist aufgeheizt: spätestens seit Houellebecq steckt die Furcht vor dem Islam, vor dem Elftel der Mitmenschen, den alten Franzosen “de souche” in den Knochen. Selbst ein im Prinzip so lächerliches Objekt wie eine Serie Karikaturen wird verteidigt wie der Flugzeugträger Charles de Gaulle.

   Die Fronten sind klar: auf einer Seite eine Mehrheit, die ein Land weiterhin so führen will, als gäbe es die Minderheit garnicht oder besser: als füge sich die Minderheit fugenlos in den Lebensstil der Mehrheit ein. Auf der anderen Seite eine Minderheit, die sich stark fühlt und fordert, dass der Lebensstil ihren Bedürfnissen angepasst wird.

   Mit seinem Feldzug gegen den islamistischen Terror bekämpft Macron Symptome, nicht Ursachen. Terror gibt es überall, wo der Islam mit anderen Religionen und Lebensstilen kollidiert. Dabei können durchaus auch Moslems in der Opferrolle stecken, wie Indien, Myanmar und die Philippinen zeigen. Terror und Gewalt lassen sich nur minimieren, wenn die Politik auf Toleranz, Interessenausgleich und Integration drängt.

   Dass Macron sich als ein Roland im Kampf gegen die Sarazenen stilisiert, wird nur Houellebecq amüsieren.

Heinrich von Loesch

 

Update

Canada:s premier Justin Trudeau, after a discussion with French president Emmanuel Macron, responded to a question about the right to show a caricature of the Prophet Mohammed, "freedom of expression is not without limits".

"We owe it to ourselves to act with respect for others and to seek not to arbitrarily or unnecessarily injure those with whom we are sharing a society and a planet."